Geschichtsunterricht einmal anders: Reihe „Propagandafilme des Nationalsozialismus“ wird am Sickingen-Gymnasium fortgesetzt

Nach dem antijüdischen Hetzfilm „Jud Süß“ im letzten Jahr wurde am 27. April 2012 in der Aula des Sickingen-Gymnasiums der Propagandafilm „Kolberg“ gezeigt. Die wissenschaftliche Begleitung übernahm wiederum der Leiter des Instituts für Kino- und Filmkultur , Herr Horst Walther.

 

„Woher wusste Goebbels 1943 bereits, dass der Film Kolberg zwei Jahre später als Durchhaltefilm nötig sein wird? Warum wird 1944 ein Film gedreht, für dessen Massenszenen Tausende deutscher Soldaten als Komparsen benötigt werden, die folglich nicht an der Front eingesetzt werden?“

Das waren zwei der zentralen Fragen des Filmwissenschaftlers Horst Walther an die Schülerinnen und Schüler des Sickingen-Gymnasiums Landstuhl. Dort wurde für die Klassenstufe 10 und MSS 12 der von den Produktionskosten her teuerste  nationalsozialistische Propagandafilm Kolberg gezeigt. Dieser fällt unter den Status eines Vorbehaltsfilms, der in Deutschland allein für wissenschaftliches Arbeiten oder im Rahmen politisch-historischer Bildungsveranstaltungen gezeigt werden

Der Film handelt von der Verteidigung der im heutigen Polen liegenden Stadt Kolberg gegen die Armee Napoleons. Nach der preußischen Niederlage in der bekannten Schlacht bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806 leistet nur noch die Festung Kolberg bis Juli des Folgejahres erbitterten Widerstand gegen die französischen Truppen.

Worin aber besteht die Brisanz dieses Films? Warum ist der Film, gegen dessen Freigabe der wohl bedeutendste deutsche Soziologe, Ralf Dahrendorf, in den 60er Jahren ein Gutachten erstellt hat, so gefährlich? „Der Film verherrlicht  Krieg und Heldentum, steigert die Aufopferung fürs Vaterland ins Religiöse, zeigt das Sterben für den Sieg als einzig sinnvolle Handlung der menschlichen Existenz“, erklärt Walther. So bekennt gegen Ende des Films der Bürgermeister Kolbergs: „Lieber unter Trümmern begraben, als kapitulieren!“ Somit stimmt „Kolberg“ mit der Ideologie der Nazis exakt überein: Für Hitler zählten furchtlose Opferungsbereitschaft im Kampf und das Gesetz des Stärkeren, sodass ein Volk, das im Kampf unterliegt, zurecht untergeht. Ein Schüler interpretierte „Kolberg“ als „Heimatfilm – und erntet prompt die Zustimmung des Filmwissenschaftlers Walther. Denn damit ist der Beweis erbracht: „Kolberg“, der durchaus auch „harmlose“ Sequenzen des Heimatfilms aufweist und dabei an das „seichte“ Genre erinnert, gilt zurecht als Vorbehaltsfilm!

Den vollständigen Artikel aus der Rhein-Pfalz vom 02.05.2012 sehen Sie hier!