Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt

von Ada Haen

„Wie Emilie und Oskar Schindler 1200 Menschen vor der Gaskammer retteten“: Eine Zeitzeugin der zweiten Generation berichtet.

 

Frau Prof. Erika Rosenberg, Tochter jüdischer Deutscher, die noch vor dem Holocaust 1936 nach Argentinien flohen, las am Montagmorgen des 6. Oktober am Sickingen-Gymnasium Landstuhl aus ihrem Buch „Ich - Emilie Schindler“, einer Biographie über die Ehefrau des durch das Buch und den Film „Schindlers Liste“ bekannt gewordenen Oskar Schindler, der 1200 Juden während des 2. Weltkriegs vor dem Tod rettete.
Als enge Freundin und Vertraute der 2001 verstorbenen Emilie Schindler, die mit ihrem Mann 1949 ebenfalls nach Argentinien emigrierte, konnte Erika Rosenberg tiefe Einblicke in das Leben und die Taten der Emilie Schindler vermitteln - denn das wurde im Vortrag schnell ersichtlich, Emilie Schindler war eine Heldin. Nicht nur Oskar Schindler - wie aus Steven Spielbergs berühmten Film bekannt - rettete vielen Menschen das Leben, auch Emilie trug einen entscheidenden Teil zum Heldentum ihres Mannes bei. Oskar Schindlers Karriere im deutschen Geheimdienst und seine gut gepflegten Kontakte zu hochgestellten Nazi-Offizieren ermöglichten es ihm, 1939 eine stillgelegte Emaille-Fabrik in Krakau zu übernehmen. Durch Schwarzhandel gelang es dem Unternehmer im Laufe der Zeit ein großes Vermögen anzuhäufen, das später dazu diente, Bestechungsgelder zu zahlen, um die jüdischen Zwangsarbeiter vor der Ermordung im Konzentrationslager Auschwitz zu retten.
Die Schindlers sorgten für einen Mindeststandard an medizinischer Versorgung und für bessere Lebensstandards ihrer Arbeiter, Oskars Beziehungen und Emilies Initiative waren es, die die Rettung der vielen Menschen ermöglichte.
Emilie Schindler half vielen Arbeitern, die sie um Hilfe baten und brachte sich selbst dadurch in Lebensgefahr, sie organisierte einen Fluchttransport und konnte dadurch weitere 120 Juden vor der Deportation retten.

Nach dem Krieg erhielt das Ehepaar Schindler als Dank von einer jüdischen Organisation das Startkapital für ein neues Leben in Argentinien, 1957 kam Oskar Schindler zurück nach Deutschland, weil er sich eine Entschädigungszahlung für den Verlust seines Unternehmens erhoffte, er bekam jedoch nur einen Bruchteil des erwarteten Betrags. Während Oskar Schindler in Deutschland blieb und vergeblich versuchte, seine Lebensgeschichte von MGM verfilmen zu lassen, lebte seine Frau weiter in Argentinien. Verarmt starb Oskar Schindler 1974 in Hildesheim. Frau Schindler wurde vom Tod ihres Mannes nie offiziell unterrichtet, sie erfuhr in einer argentinischen Zeitung davon.

 

OStD' Andrea Meiswinkel und Prof. Erika Rosenberg

Als Frau Prof. Erika Rosenberg bei Recherchen nach deutschen Auswanderern in ihrer Heimat auf Emilie Schindler stieß, begann die Autorin mit der Aufarbeitung ihrer Biographie. Als Reaktion auf den Film „Schindlers Liste“, der ja in erster Linie die Verdienste Oskars in den Fokus stellt, nahm sich Erika Rosenberg vor, auf internationaler Ebene die ganze Geschichte der Familie Schindler bekannt zu machen, um gerechterweise auch Emilie Schindler zu würdigen, die in der Verfilmung viel zu kurz gekommen war. Mit ihrer Lesung in der voll besetzten Aula des Sickingen-Gymnasiums konnte Erika Rosenberg ihr Anliegen überzeugend vermitteln, dass auch Emilie Schindlers ehrenhafte Taten nie vergessen werden dürfen. Organisiert wurde die Veranstaltung von Frau Dr. Georgia Matt-Haen, Kulturbeauftragte des Landkreises, im Rahmen der Reihe „Lesungen im Kreis“.