Autorenlesung von Stefan Gemmel am SGL

von Flora Schmalbach

„Wer von euch mag Lesen überhaupt nicht?“ war eine der ersten Fragen, die Stefan Gemmel am Anfang seines Vortrages dem jungen Publikum (unseren sechsten Klassen) stellte. Nachdem vereinzelt etwas zögerlich Finger in die Luft gestreckt wurden, beteuerte er, dies sei überhaupt nicht schlimm. Er habe als Kind auch nicht gerne gelesen. Natürlich, jetzt fragt man sich; Wie wird aus einem Kind, das früher überhaupt nicht gerne gelesen hatte, später ein begeisterter Kinder- und Jugendbuchautor?

Oder wie es von einigen aus dem Publikum treffender zusammengefasst wurde: „Häh?“

Die Antwort auf diese Frage folgte direkt. Man kann sich das nun Folgende wie ein kleines Theaterstück vorstellen. Gemmel in einer Doppelrolle: Einmal als er selbst als Siebtklässler und einmal als seine Lehrerin der siebten Klasse. Um das Ganze nicht zu ausführlich zu erklären: Es ging um eine Lehrerin mit einer Tasche voller Bücher, um das bekannte Buch „Die Schatzinsel“, welches  eines Tages mit einem ‚Knall‘ auf dem Tisch eines Siebtklässlers landete und um eben jenen Siebtklässler, der von diesem Tag an Bücher mochte.

Nach der lebendigen Darlegung seiner Inspiration für seine Trilogie „Die Schattengreifer“ (die Idee kam wohl durch seinen sehr aufgedreht wirkenden Manager am Telefon zustande) und der genaueren Erläuterung des Schreibprozesses folgte nun die eigentliche Lesung. Allerdings darf man sich diese nicht so vorstellen, als dass einfach ein paar Seiten aus dem Buch vorgelesen worden wären. Der Autor legte zwischendurch einfach einmal das Buch weg und erzählte frei weiter. Außerdem wurde der gesamte Part der Lesung von textunterstreichender Mimik und Gestik begleitet. Trotz des Fakts, dass dies eine Autorenlesung war, dauerte die Lesung an sich nur ungefähr zwanzig Minuten. Denn es war nicht das (Haupt-) Ziel des Autors, sein Buch vorzulesen. Gemmel wollte (wie er auch anfangs klarstellte) einen Einblick hinter die Kulissen gewähren.

Das Ende seines zweistündigen Vortrages bildete die Erklärung der Entstehung der Illustrationen seiner Bücher. Und natürlich durfte das Publikum dem Autor auch noch Fragen stellen.

Bis zum allerletzten Wort waren alle Zuhörer aufmerksam. Dies war wahrscheinlich nicht nur dem Vortrag an sich, sondern vor allem auch der überschäumenden Art des Vortragens zuzuschreiben.