„Körperwelten- Horrorwelten?!“

Biologie- Exkursion der MSS11 und MSS 12 zu Gunther von Hagens Körperwelten- Ausstellung in Saarbrücken

 

von Katharina Teeselink


„Menschen werden wie auf einem Präsentierteller gezeigt, eine makabre Zirkusvorstellung mit toten, menschlichen Körpern“… „Voll faszinierend, das alles mal in Echt zu sehen, nicht immer nur in Büchern“… „Einfach nur bizarr“…. „Jetzt kann ich mir endlich auch mal etwas unter einer Raucherlunge vorstellen, das schreckt schon ab“….

So oder so ähnlich lautete das Feedback der Schülerinnen und Schüler, im Anschluss an die Exkursion zur Körperwelten- Ausstellung mit dem Titel „Zyklus des Lebens“ am 09.07.15 bzw. 13.07.15.

Wir Biologielehrer rechneten mit diesen Eindrücken und waren auch nicht sonderlich verwundert über die zum Teil extrem unterschiedlichen Ansichten der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler. Verfolgten wir doch bei der Planung und Umsetzung dieser Exkursion mehrere Ziele:

Das zentrale Vorhaben eines anschaulichen, lebendigen Biologieunterrichts ist es, den Schülerinnen und Schülern so genannte Primärerfahrungen in einem Thema zu ermöglichen, für das sie ein sehr hohes Interesse zeigen: der menschliche Körper, sein Aufbau und dessen Funktionsweise. Schwerpunkte der Ausstellung bildeten u.a. folgende Aspekte:

  • Das Erschließen der menschlichen Anatomie, vom Bewegungsapparat bis hin zum Nervensystem.
  • Bildung eines grundlegenden Verständnisses der Funktionen dieser einzelnen Systeme und ihr Zusammenspiel im Körper.
  • Den Vergleich von gesunden Organen und krankhaften Veränderungen, zum Beispiel bei Adipositas oder Krebsgeschwüren.

Der menschliche Körper und die Veranschaulichung echten menschlichen Gewebes, das mittels einer speziellen Plastinationstechnik konserviert wurde, birgt jedoch verständlicherweise Konfliktpotential. Ethische Aspekte standen nun plötzlich im Raum und setzten in den Köpfen der Schülerinnen und Schülern moralische Fragestellungen in Gang: Ist es zu vertreten, menschliche Körper für wissenschaftliche Zwecke zu benutzen? Wollten diese Menschen, dass sie vor einem breiten Publikum zu Schau gestellt werden, wie in einem Zirkus? Legitimiert die Faszination über das Wunderwerk Mensch und dessen naturwissenschaftliche Betrachtung tatsächlich die Ausstellung toter, menschlicher Körper? Würde ich meinen eigenen Körper für solche Ausstellungen zur Verfügung stellen?

Fragen über Fragen, die in einer kritischen Reflexionsrunde im Anschluss an die Exkursion im Biologieunterricht aufgegriffen werden konnten. In ihr wurde auch der Sinn dieser weltweit sehr populären und zugleich umstrittenen Ausstellung hinterfragt und darüber fächerübergreifend reflektiert.

Letztlich führte uns dieses sehr intensive Gespräch zur Kernfrage: Wer bin ich und was macht mich menschlich? Persönliche Erkenntnisse wurden ausgetauscht, die letztlich der Reifung der eigenen Persönlichkeit und der Selbstbestimmung der Jugendlichen dienen. Genau dies war auch eine der wichtigsten Intentionen der Exkursion.