Der Wert philosophischer Bildung - 2. Philosophietag am SGL

von Achim Jung

Die diesjährige Landessiegerin beim Wettbewerb Philosophischer Essay kommt vom SGL und heißt Meryl Haen. Sie hatte sich für das Bundesfinale des Wettbewerbs in Münster/Westfalen qualifiziert, wo zwei Schülerinnen bzw. Schüler ausgewählt wurden, Deutschland im Mai bei der Internationalen Philosophie-Olympiade in Gent / Belgien zu vertreten. Im letzten Jahr hatten sich schon Sophie Steidel und Ada Haen, die 2015 am SGL ihr Abitur abgelegt haben, für den Bundeswettbewerb qualifiziert.

 

Achim Jung, Meryl Haen, Dr. Christiane Lang, Heidi DeKuiper und der Stellvertretende Vorsitzende des Fachverbands Philosophie e.V. Christoph Merklein 

Die Schulleiterin OStD’ Andrea Meiswinkel freute sich daher ganz besonders, dass sie auch dieses Jahr wieder zahlreiche Gäste zu einem „Philosophie-Tag“ am Sickingen-Gymnasium begrüßen konnte, die zu dieser offiziellen Feier zur Würdigung der rheinland-pfälzischen Siegerinnen und Sieger des Wettbewerbs nach Landstuhl gekommen waren. Den Festvortrag hielt die Philosophielehrerin Heidi DeKuiper. Die Preise wurden von dem Vertreter des Ministeriums für Bildung, Ministerialrat Dr. Klaus Sundermann, und von der Landesvorsitzenden des Fachverbands Philosophie e.V., Dr. Christiane Lang, verliehen. Den zweiten Platz im Landeswettbewerb belegte Tobias Schweitzer vom Frauenlob - Gymnasium Mainz, den 3. Platz Lennart Roland Gangolf vom St.-Willibrord – Gymnasium Bitburg. Außerdem waren auch Philosophielehrkräfte von anderen Schulen mit ihren Schülerinnen und Schülern zu der Veranstaltung nach Landstuhl angereist.

 

MR Dr. Klaus Sundermann und Meryl Haen

In seiner Rede zur Würdigung von Meryl Haen hob Dr. Klaus Sundermann die Bedeutung der Philosophie für die Entwicklung der europäischen Kultur hervor. Die Naturwissenschaften begannen mit den griechischen Vorsokratikern, wie zum Beispiel Thales oder Anaximenes, die nach dem Ursprung der Welt und dem Grundstoff fragten, aus dem diese bestehe. Sie entwickelten Weltentstehungslehren, Kosmogonien, in denen entweder die vier Elemente, Atome oder unkörperliche Substanzen erste „naturwissenschaftliche“ Modellvorstellungen waren. Auch das philosophische Nachdenken über die Sprache ist ein wichtiges Element der Entwicklung der europäischen Kultur. Insofern begrüßte es Dr. Sundermann ganz besonders, dass es am SGL im nächsten Schuljahr in allen drei Jahrgängen der Oberstufe einen Leistungskurs Philosophie geben werde. Umso bedauerlicher erscheint es, dass es momentan an keiner anderen Schule in Rheinland-Pfalz einen Leistungskurs Philosophie gibt. Es wird nur als Grundkurs angeboten. In den regulären Fächerkanon der G8-Gymnasien konnte das Fach Philosophie nicht mehr aufgenommen werden, weil dafür durch die Verdichtung des Lernstoffs auf 8 Jahre keine Zeit mehr bleibt.

Das Sickingen-Gymnasium ist sogar momentan die einzige Schule in ganz Deutschland, an der das Fach Philosophie als Leistungskurs zusätzlich zum Ethik- bzw. Religionsunterricht belegt werden kann, was in allen
anderen Bundesländern nicht möglich ist. Ethik muss in Rheinland-Pfalz von allen Schülerinnen und Schülern als „Ersatzfach“ für Religion verbindlich belegt werden, die ihren von der Landesverfassung garantierten Anspruch auf Religionsunterricht nicht in Anspruch nehmen. Ethikunterricht wird am SGL grundsätzlich nur von ausgebildeten Fachlehrkräften erteilt.

Im Philosophieunterricht werden auch noch viele andere philosophische Themenbereiche behandelt als in Ethik, wie zum Beispiel die Logik, die Sprachphilosophie, die Wissenschaftstheorie, die Naturphilosophie, die Ästhetik, etc.. Dagegen wird Religion bzw. werden die Weltrelgionen im Fach Ethik weltanschaulich neutral behandelt. Das Fach Philosophie schult das eigenständige Denken und die Urteilskraft, vermittelt ein Verständnis für fächerübergreifende Zusammenhänge und die Fähigkeit zum „Weiterdenken“ und „Querdenken“ und zum kreativen Problemlösen. Philosophie vermittelt Allgemeinbildung sowohl in Hinsicht auf Geistes- und Naturwissenschaften als auch zur philosophischen Begründung der demokratischen Staatsordnung und des Rechts.

Die Philosophielehrerin Heidi DeKuiper, die Meryl Haen im Fach Ethik unterrichtet, hielt den Festvortrag zum Thema „Erleichtert Philosophieren das Leben?“. Dies war eines der vier Essaythemen beim diesjährigen Landeswettbewerb. In ihrem Plädoyer für das Fach Philosophie hob sie besonders hervor, wie sehr ihre Schülerinnen und Schüler das Fach schätzen: Die Schülerinnen und Schüler betonten, welch großen Nutzen sie sie aus dem Schulfach Philosophie ziehen: „Sie finden so viele Anknüpfungspunkte zu ihren anderen Fächern, sie lernen Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten – im Gespräch mit anderen, beim Philosophieren – vor allem hilft ihnen der Unterricht beim Verstehen, Begründen und Argumentieren und dabei, sich ein eigenes Urteil zu bilden.“

Die Landesvorsitzende des Fachverbands Philosophie e.V., Christiane Lang, unterstrich in ihrer Rede die Bedeutung des Wettbewerbs Philosophischer Essay, an dem sich jedes Jahr zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus Rheinland-Pfalz beteiligen. Der Wettbewerb findet nunmehr seit zehn Jahren statt und hat einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Fächer Philosophie und Ethik geleistet. Dr. Christiane Lang überreichte Meryl Haen eine Urkunde und als Preis die Skulptur einer Eule, dem Symbol von Philosophie und Klugheit.

Musikalisch sehr eindrucksvoll umrahmt wurde der Philosophietag von Lea Hoffman, Felix Gries und Jannis Straßer

Sehr beeindruckend war dann auch der klare und kluge Vortrag, den Meryl Haen zu dem Thema ihres prämierten Essays hielt, der unter dem untenstehenden Link zu lesen ist. Ihre Gedanken zur modernen Architektur und zur Philosophie der Ästhetik verdeutlichten im Inhalt und in der Weise des Vortrags ihrer Rede ganz besonders augenfällig den Sinn und den Wert philosophischer Bildung.

 

Das Skript der Rede der Landessiegerin Meryl Haen anlässlich der Preisverleihung lesen Sie hier.

Das Programm des Philosophietages finden Sie hier.

Den Artikel zum Landessieg und den Wettbewerbsbeitrag von Meryl Haen finden Sie hier.