Deutsch-Französischer Lehreraustausch mit dem Lycée Franco-Allemand in Buc

Im Rahmen der Schulpartnerschaft zwischen dem Lycée Franco-Allemand in Buc bei Versailles und dem SGL war die französische Philosophielehrerin Christine Martin im Mai für einige Tage in Landstuhl zu Gast und hospitierte im Philosophie- und Ethikunterricht sowie auch im Unterricht anderer Fächer. Im Gegenzug war der Philosophielehrer Achim Jung aus Landstuhl in den Osterferien an der französischen Partnerschule sowie im Lycée La Bruyère in Versailles zu Gast und hospitierte dort im Philosophieunterricht einiger Kolleginnen und Kollegen.

 

 

OStD' Andrea Meiswinkel, Christine Martin und Achim Jung

Am Lycée Franco-Allemand (Deutsch-Französisches Gymnasium) besuchte er den Philosophieunterricht von Christine Martin, Steve Wajsgrus und Peter Holz, am Lycée La Bruyère die Philosophiestunden von Didier Guimbail und Sandrine Leport. Eine Besonderheit am Deutsch-Französischen Gymnasium ist es, dass der Philosophieunterricht in der jeweiligen Muttersprache der Schülerinnen und Schüler stattfindet, wobei Christine Martin Philosophie auf Französisch unterrichtet. Alle Schülerinnen und Schüler legen in Buc sowohl das französische als auch das deutsche Abitur ab.

Die Schulleiterin des SGL, OStD’ Andrea Meiswinkel, begrüßte beim Empfang des Gastes aus Versailles die Initiative, einen Austausch unter Kollegen durchzuführen und auch Hospitationen zu ermöglichen, um so die Partnerschule besser kennenzulernen. Ausdrücklich bedankte sie sich für ihr Engagement bei der Schulleiterin des Lycée Franco-Allemand, Michèle Hugel, die das Projekt der Schulpartnerschaft ebenfalls sehr nachdrücklich gefördert hat.

 

Peter Holz, die französische Schulleiterin Michèle Hugel, Achim Jung,

die deutsche Schulleiterin Susanne Schneider Frey und Christine Martin

Ziel der Partnerschaft ist die Realisierung von gemeinsamen Projektwochen von Philosophieklassen aus Buc und Landstuhl, die sich im Wechsel jedes Jahr in Deutschland oder Frankreich jeweils in einer Jugendbegegnungsstätte treffen. Die nächste Projektwoche, bei deren Vorbereitung und Durchführung auch die Philosophielehrkräfte Peter Holz aus Buc und Heidi DeKuiper aus Landstuhl mitwirken, wird im nächsten Schuljahr im Oktober in der Nähe von Versailles stattfinden.

In Frankreich ist Philosophie im Abitur verpflichtendes Hauptfach für alle Schülerinnen und Schüler, das heißt, alle müssen eine schriftliche Abiturprüfung in Philosophie ablegen, wobei das Fach nur in der Terminale, im letzten Schuljahr des Lycée, des französischen Gymnasiums, unterrichtet wird. Die Mehrheit der Schülerinnen hat fünf Unterrichtsstunden in Philosophie pro Woche, diejenigen mit literarisch-sprachlichem Schwerpunkt sogar bis zu acht Stunden. Da in Frankreich ca. 87% aller Schülerinnen und Schüler das Abitur ablegen, verfügen also fast alle französischen Bürgerinnen und Bürger über eine philosophische Grundbildung. Der Philosophieiunterricht fördert vor allem das selbstständige, logische und fächerübergreifende Denken.

Bemerkenswerterweise ist das Sickingen-Gymnasium zur Zeit die einzige Schule in ganz Deutschland, die einen Leistungskurs in Philosophie in der Oberstufe zusätzlich zum Ethikunterricht anbietet, das heißt, die Schülerinnen und Schüler mit dem Hauptfach Philosophie legen in Landstuhl eine schriftliche Abiturprüfung in Philosophie ab.

Christine Martin war sehr erstaunt, wie groß der Unterschied zwischen den Unterrichtsformen und –methoden zwischen Deutschland und Frankreich ist. Während in Frankreich die Lehrkraft meist den Stoff in didaktisch sehr klarer und strukturierter Weise erklärt und präsentiert, müssen sich die deutschen Schülerinnen und Schüler vieles selbst erarbeiten und sich einander auch gegenseitig erklären. Wohingegen die französischen Schülerinnen und Schüler während des Lehrervortrags immer mitschreiben und die so vermittelten Lektionen jeweils lernen müssen, sind in Deutschland das entwickelnde Unterrichtsgespräch und das selbstständige Arbeiten die häufigsten Unterrichtsformen. Aufbauend auf die Lektionen müssen die Schülerinnen und Schüler in Frankreich im Fach Philosophie allerdings dann sehr klar strukturierte philosophische Aufsätze, die sogenannten „dissertations“, schreiben, so dass auch hier durchaus selbstständig gearbeitet wird.

Beide Vorgehensweisen haben Vor- und Nachteile, aber insgesamt fand Christine Martin doch viele interessante Anregungen beim Beobachten der deutschen Unterrichtsmethoden. Ganz besonders begeistert war sie aber auch vom Musikunterricht von StR' Diana Schmid im Keyboardklassenraum des Gymnasiums, wo die Schülerinnen und Schüler lernen, nach Noten Keyboard zu spielen.

Das Keyboard-Klassenzimmer des SGL

Beide Lehrkräfte, Christine Martin und Achim Jung, haben bei ihren jeweiligen Besuchen im Nachbarland viele interessante Eindrücke gewonnen und viele Anregungen gesammelt, die sie in ihrem Unterricht jeweils sehr gut einsetzen und verwenden können.