Deutsch-Polnische Freundschaft - Schülerinnen und Schüler vom SGL zu Besuch in Kęty

von Anna Merz (MSS 11)

 

Ende Mai fand ein kultureller Austausch mit unserem Nachbarland Polen statt, den es an unserer Schule schon seit bald 20 Jahren gibt. Gefördert wird dieser Austausch vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW). Insgesamt 22 Schüler machten sich zusammen mit Herrn Böhlke, Frau Hülsewede und unserem Busfahrer Herrn Guhl, der uns immer sicher ans Ziel brachte, auf den Weg nach Südpolen.

Nach einer 15-stündigen Anreise wurden wir herzlich vor der Schule in Kęty von den Austauschschülern und ihren Lehrern empfangen. Bei Keksen und Saft haben uns die polnischen Begleitlehrer begrüßt und kurz das Programm für die Woche vorgestellt. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, langweilig wird es uns nicht. Ohne große Schwierigkeiten fanden wir unsere Austauschpartner und fuhren mit ihnen nach Hause. Auch dort gab es nochmals ein herzliches Willkommen.

Am nächsten Morgen fuhren wir an mehreren Seen und einer tollen Landschaft vorbei zum alten Schloss der Habsburger in Zywiec, das eine Ausstellung über die regionale Geschichte zeigte. Vor der Mittagspause erwartete uns noch eine Besichtigung der örtlichen Brauerei, in der es für uns zwar kein Bier, aber eine spannende Darstellung der Brauerei­geschichte gab, die die Höhen und Tiefen des Unternehmens im Laufe des letzten Jahrhunderts anschaulich zeigte. Am Abend bot sich uns eine beeindruckende Show mit Gesang und Tanzbeiträgen sowie weiteren Darbietungen, die von Schülern der Partnerschulen organisiert wurden. Später lernten wir noch einen traditionellen Tanz und machten Integrations­spiele.

Am Mittwoch ging es nach Zakopane. Zuerst fuhren wir mit der Bergbahn auf ca. 1300m Höhe. Wir genossen die wunderbare Aussicht auf den Ort und die Sprungschanze. Wieder unten in der Stadt gab es noch ein bisschen Zeit zum Umschauen und Shoppen. Viele Stände boten den typischen Käse der Region an. Da es am Nachmittag leicht zu regnen anfing, machten wir uns auf den Weg zu unserer Jugendherberge, wo wir mit köstlichem Essen empfangen wurden. Nach der Zimmeraufteilung und ein wenig Zeit zum Entspannen, machten wir einen Spaziergang, bei dem man eine tolle Aussicht und schöne Häuser bewundern konnte. Zurück in der Unterkunft gab es Lagerfeuer mit regionstypischen Würstchen und Gitarrenmusik von Felix Kries. Im Laufe des Abends fingen wir irgendwann an zu tanzen und amüsierten uns prächtig.

Der nächste Tag führte uns nach Krakau. In dieser wunderschönen Stadt besuchten wir das Viertel, in dem die Juden früher lebten und an dem heute noch zwei Synagogen stehen. Anschließend machten wir eine interessante Führung durch das Schindler-Museum. Nach einer Mittagspause endete der Tag auf dem Wawel, der ehemaligen Residenz der polnischen Könige.

Am Freitagmorgen machten wir schließlich einen weiteren Ausflug in die Beskiden. Mit der Bergbahn ging es nach oben, wo wir zunächst bei gutem Wetter die Aussicht genossen, uns auf der Sommerrodelbahn amüsierten und den Gleitschirmfliegern zusahen. Den Abstieg bewältigten wir zu Fuß. Nach dem Mittagessen in der Schulkantine widmete sich die Gruppe der Deutschen einem dunklen Kapitel unserer Geschichte: Wir besichtigten das Konzentrationslager in Auschwitz und das Außenlager Birkenau. Eine informative Führung erleichterte uns die Begegnung mit der Vergangen­heit. Am Nachmittag herrschte zwar vorübergehend eine bedrückte Stimmung, es war aber dennoch für uns eine interessante Erfahrung.

Den letzten Tag verbrachten wir mit unseren Gastfamilien. Nach einem ausgiebigen Familienfrühstück zeigten mir meine Gastgeber ihre ehemalige Heimatstadt. Wir besuchten das Schloss in Pszczyna und gingen typisch polnisch Essen. Zwei Stunden vor unserer Abfahrt kamen alle nochmals in der Schule zusammen, um sich über die Erlebnisse der letzten Woche auszutauschen. Nach der Überreichung unserer Teil­nahme­urkunden und einigen Geschenken seitens der Gastgeber, mussten wir uns endgültig von unseren neuen Freunden verabschieden. Wir bedankten uns für die unbeschreibliche Gastfreundschaft, die wir erleben durften. Es flossen einige Tränen, da wir uns von den Menschen, die uns mit solch einer Herzlichkeit empfangen hatten, nicht trennen wollten. Tröstlich dabei waren die Gedanken an das Wiedersehen im September, auf das wir uns alle jetzt schon freuen.

Solche Austausche sind ein wichtiger Bestandteil der Verständi­gung und Versöhnung. Die deutsch-polnische Vergangenheit beinhaltet ein sehr dunkles Kapitel unserer Geschichte, deshalb ist es umso bedeutsamer, in der Gegenwart und Zukunft gute Beziehungen zu unserem Nachbarland zu pflegen. Wir durften in dieser Woche Menschen erleben, die nicht nachtragend, sondern ganz im Gegenteil offen und warmherzig uns gegenüber waren. Ich möchte mich an dieser Stelle deshalb nochmals bei allen Beteiligten, vor allem bei den Gastfamilien, die uns so liebenswürdig aufgenommen haben, ganz herzlich bedanken.