Facebook is watching you

Facebook is watching you

 

Infoveranstaltung zum Thema  ,,Mehr Sicherheit in sozialen Netzwerken’’ am 1.Dezember in der Aula des Sickingen Gymnasiums

 

,,Auf meinem Monitor sitzt eine Fliege. ’’ (Gefällt mir!) ; ,,Mir ist langweilig’’;  ,,Bin gerade dabei, mir die Zehennägel zu schneiden.’’ (Gefällt mir!);  ,,Mir ist ja so langweilig.’’ ;  ,,Kann nicht schlafen...’’;  ,,Gehe jetzt rüber zum Bäcker.’’; ,,Bin zurück vom Bäcker.’’(Gefällt mir!);  ,,Esse gerade ein Vanille-Nuss-Törtchen.’’ (Gefällt mir!).

 

Man könnte meinen, nur seine ärgsten Feinde würde man im 5-Minuten-Takt und 

 - Smartphones sei Dank - rund um die Uhr mit derart einschläfernden Trivialitäten belästigen wollen, aber bei Facebook, dem meistgenutzten sozialen Netzwerk, ist so einiges anders als in der nicht-virtuellen Wirklichkeit: Plötzlich hat jeder das starke Bedürfnis, seine mehr der weniger gehaltvollen Gedanken zwecks Selbstinszenierung all seinen 5327 Freunden (oder gleich dem ganzen Rest der Welt) mitzuteilen, bestenfalls noch mit detailreichen Fotos zu beweisen und seine Privatsphäre damit schwungvoll die Toilette hinunterzuspülen- vollkommen freiwillig.

Aber - ist (paradoxerweise) nicht gerade diese immense Fülle an nutzlosen Informationen der beste Datenschutz? Denn wer würde sich wohl tatsächlich die Mühe machen, aus dem riesigen Daten-Ozean, zu dem Facebook mittlerweile geworden ist, ausgerechnet  meine herauszufischen?

Stephan Stengel, Referent der EU-Initiative ,,Klicksafe’’, stellt diese Frage bei einer Informationsveranstaltung am SGL zum Thema ,,Datenschutz in sozialen Netzwerken’’, an der die Schüler der 11. und 7. Klassenstufe teilnahmen, ebenfalls in den Raum – und enthüllt im Laufe seines Vortrages ein erschreckendes Ergebnis: So ,,ist und bleibt’’ Facebook zwar kostenlos, aber bezahlen  müssen im Endeffekt doch alle, die sich anmelden: mit ihren Daten. Für die interessiert sich nämlich eine ganze Menge an Leuten. Personalchefs zum Beispiel prüfen mittlerweile sorgfältigst die Online-Profile ihrer Bewerber; ,,unsaubere Kandidaten’’ werden einfach aussortiert. Wer hätte gedacht, dass einem die Bilder von der letzten ausschweifenden Party  oder die ,,Faulenzen 4Life’’-Gruppe so zum Verhängnis werden könnten? Schockierend ist auch das Erlebnis, das eine Kanadierin mit Facebook machen musste: Der wegen Depression für ein Jahr krankgeschriebenen Frau wurde das Krankengeld gestrichen, nachdem ihre Versicherung auf ihrem Facebook-Profil Fotos entdeckte, auf denen sie zu glücklich aussah.

Aber auch für wirtschaftliche Zwecke werden unsere persönlichen Daten gnadenlos missbraucht: Firmen, die ihre Produkte an den Mann bringen wollen, zahlen Unsummen an Facebook, um Werbung schalten zu können, die nur auf bestimme Personengruppen zugeschnitten ist – und machen damit enormen Profit. Wenn es also auch unglaublich sozial und selbstlos scheinen mag, dass Facebook seinen wertvollen Dienst an der Menschheit kostenlos anbietet, hat es doch einen schlichteren, hässlicheren Grund: Facebook hat es gar nicht nötig, Geld von seinen Nutzern zu verlangen. Die Unternehmen zahlen genug.

 

Und nun? Wie kann man denn überhaupt noch sicher im Netz, insbesondere bei Facebook sein? Oder soll man sein Profil gleich ganz löschen?

Das wäre zwar besser,  selbst Personen ohne Facebook-Profil sind nicht mehr vollkommen sicher vor Facebooks Daten-Tentakeln, aber Stephan Stengel ist sich des hohen Stellenwertes, den soziale Netzwerke im Leben der Jugendlichen heute haben, durchaus bewusst, und plädiert deshalb vor allem für einen verantwortungsbewussteren Umgang mit persönlichen Informationen. ,,Das Netz vergisst nichts’’, peinliche Bilder, unliebsame Videos oder Einträge machen sich rasend schnell selbstständig und sind nicht mehr zurückzuholen, jeder sollte sich deshalb genauestens überlegen, wie viel er von sich preisgibt, und mit wem er dies teilen möchte. Und auch wenn das Menü zu den Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook einem wirren Labyrinth gleicht, sind einige einschränkende Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre dringend notwendig und sollten unbedingt vorgenommen werden: Den Profilzugriff sollte man am besten auf Freunde beschränken und niemals die Einstellung ,,Freunde von Freunden’’ wählen, weil diese zu einem exponentiellen Wachstum der Anzahl an Personen führt, für die das Profil sichtbar ist.

Eine regelmäßige Kontrolle ist hierbei auch ratsam, da bei der Einführung neuer Funktionen (wie z.B. der Gesichtserkennung) der Profilzugriff automatisch auf ,,öffentlich’’ umgestellt wird.

Wer nun aber trotzdem nachts keinen Schlaf mehr findet, aus (berechtigter) Sorge um seine Privatsphäre, kann sein Profil löschen lassen; wenn er sich durch dutzende Menüs und Untermenüs gekämpft hat, durch einen Link weitergeleitet wurde und schließlich die beantragte Löschung mehrmals bestätigt hat, dauert es nur noch 14 Tage und die Tat ist vollbracht. Unklar ist dabei allerdings, ob Facebook die Informationen, die über die nun ja eigentlich gelöschte Person gespeichert wurden, auch wirklich löscht.

Sicher ist, dass Nachrichten, Bilder etc. von aktiven Nutzern auch dann noch von Facebook gespeichert werden, wenn der Nutzer selbst sie schon gelöscht hat. Ein Beispiel:

Einem Student wurde im Streit um die Einsehung aller bei Facebook jemals über ihn gespeicherten Informationen nach zweijährigem Verfahren schließlich eine CD ausgehändigt – sie enthielt insgesamt 1200 Seiten detailliertester Daten - auch die, die er bereits gelöscht zu haben glaubte. Vorratsdatenspeicherung nennt man das wohl. Gefällt mir!

 

Jutta Kühn, MSS 12

 

 

Mehr Informationen zum Schutz der Privatsphäre im Internet unter www.klicksafe.de