Hitze, Staub, Lärm und hochinnovative Produktion - Strukturwandel in der Stahlindustrie: Exkursion der Leistungskurse Erdkunde nach Dillingen und Völklingen

 

Eine für unseren Nahraum relevante und spürbare Veränderung in der Industriestruktur hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten das Saarland mit der traditionellen Ausrichtung auf die Montanindustrie erfahren. Mit den durch internationalen Kostendruck und Nachfragerückgang nach Massenstahl einsetzenden Problemen der deutschen Kohle- und Stahlindustrie kam es im Saarland und den dort ansässigen Großunternehmen der Eisen – und Stahlerzeugung zu massiven, gesellschaftlich hochrelevanten Veränderungen. Die weltweit festzustellende Verlagerung der Standorte der Stahlerzeugung  insbesondere an kostengünstigere Küstenstandorte sowie in Entwicklungs- und Schwellenländer, zwingt die deutsche Stahlindustrie zu enormen Anstrengungen um die Produktionsstandorte in Deutschland zu erhalten.

Diesen Prozess des industriellen Strukturwandels und der Anpassung an veränderte Bedingungen lassen sich beispielhaft an den Produktionsstätten der Eisen- und Stahlerzeugung im Saarland erleben.

Bei einer eintägigen Exkursion der Leistungskurse Erdkunde konnten die Schülerinnen und Schüler in zwei getrennten Gruppen die Dillinger Hütte sowie die Völklinger Saarstahl-AG erkunden.

Die Werksführung in der Dillinger Hütte zeigte sehr intensiv und hautnah den Prozess der Roheisenherstellung und dessen Weiterverarbeitung in weltweit konkurrenzfähige Produkte für die Metallindustrie, für das Baugewerbe und Infrastrukturerstellung bis hin zu Produkten für Maschinen- und Fahrzeugbau.

Das Unternehmen mit über 300-jähriger Firmengeschichte am Standort produziert auf einer der weltweit größten Anlagen Grobbleche bis 44cm Dicke, die u.a. in international renommierten Gebäuden und Infrastruktureinrichtungen Verwendung finden. So besteht der Schiffsrumpf eines der größten Kreuzfahrtschiffe (Queen Marie II) ebenso aus Dillinger Stahl wie die Öresundbrücke, das Viadukt von Millau, die Ostseepipeline oder der Commerzbanktower in Frankfurt. Trotz dieses Renommees bleibt die Schwerindustrie im Saarland krisenanfällig, im Moment leidet die Produktion von Rohren für den Pipelinebau unter politischen Spannungen und unter den Veränderungen in der Erdöl- und Erdgasförderung durch Fracking in Nordamerika.

Der dadurch entstehende Zwang nach ständiger Anpassung der Produkte (z.B. Umstellung auf Rohre für Off-Shore Windkraftanlagen) und Produktionsverfahren wurde den Schülerinnen und Schülern in der Führung über das Werksgelände näher gebracht.

Von besonderer Intensität war jedoch sicherlich das ganzheitliche Erfahren der gigantischen Kräfte und Energien, der Arbeitsprozesse- und Arbeitsbedingungen mit Hitze, Staub und Lärm und der Verbindung dieser elementaren Prozesse mit einem hochinnovativen, IT-gestützten Industriestandort.