“Ich will keine intellektuelle Erziehung. Mit Wissen verderbe ich mir die Jugend.”

 Von Christina Potdevin und Katrin Kollmen

 

Dies galt für alle jungen Leute, die ihre Kindheit und Jugend in den späten 30er und frühen 40er Jahren verbrachten. Bedingungsloser Gehorsam gehörte zu ihrem Alltag in der Hitlerjugend. Es war “frontaler Terror gegen die eigene Jugend” vonseiten der Nazis, so Horst Walther vom Institut für Kino und Filmkultur, der gemeinsam mit uns am 19. April 2013 den NS-Propagandafilm “Hitlerjunge Quex” aus dem Jahr 1933, der heute als Vorbehaltsfilm gilt, anschaute und analysierte. Dies war bereits die dritte Veranstaltung dieser Art, die an unserer Schule stattfand. In den Jahren 2011 und 2012 wurden die Filme “Jud Süß” und “Kolberg” gezeigt.
Der Film handelt von dem Jungen Heinrich Völker, genannt Heini, der auf Wunsch seines Vaters den Kommunisten, von den Nationalsozialisten “Kommune” genannt, beitreten soll, sich aber für die Nationalsozialisten entscheidet.
Heinis Vater, der mit den Kommunisten sympathisiert, macht Heini mit Stoppel, dem Anführer einer kommunistischen Jugendgruppe, bekannt. Stoppel nimmt ihn mit auf ein Zeltlager dieser Gruppe, doch Heini fühlt sich eher zu der Hitlerjugend hingezogen, die ihr Zeltlager in der Nähe aufgeschlagen hat und von der Gemeinschaft und Disziplin, die dort herrscht. Im weiteren Filmverlauf verrät der Junge die Kommunisten, die einen Anschlag auf die Nationalsozialisten planen. Diese erfahren, wer sie verraten hat und wollen sich an Heini rächen. Dieser ist mittlerweile der Hitlerjugend beigetreten. Schlussendlich gelingt es den Kommunisten, Heini umzubringen, wodurch er zum Symbol der Aufopferung der jungen Menschen für ihren “Führer” wird.
Der Film spielt in den Zwanziger Jahren, als man noch entscheiden durfte, welcher Gruppe man beitreten wollte, allerdings war bereits ein Jahr nach der Erstausstrahlung in den Kinos 1933 die Hitlerjugend die einzige noch erlaubte Jugendorganisation. Ab 1936 wurde die Mitgliedschaft bei der Hitlerjugend verpflichtend.

Der Handlungsort des Films ist ein Arbeiterviertel in Berlin, das von Armut und Hunger geprägt ist. Den Großteil der Bevölkerung bilden die Kommunisten, die als undiszipliniert und unsittlich dargestellt werden, auf der anderen Seite die Nationalsozialisten, die das vollkommene Gegenteil der Kommunisten sind. Die Schlüsselszene des Films ist, als Heini aus dem Zeltlager der Kommunisten wegläuft, da es ihn abschreckt, dass jeder Alkohol trinkt, raucht und hemmungslos mit den Frauen umgeht. Als er an das Lager der Hitlerjugend gelangt, ist er begeistert von dem Verhalten der Jugendlichen und deren Kameradschaft. Ab diesem Zeitpunkt ist er überzeugt, dass er der Hitlerjugend beitreten möchte und lässt sich nicht mehr von seinem Standpunkt abbringen. Dieser Entschluss ist entscheidend für den weiteren Verlauf der Geschichte.
Es stellt sich jedoch eine Frage: Ist es sinnvoll, Vorbehaltsfilme in Schulen vorzustellen, um uns die Wirkung von Propagandafilmen vor Augen zu führen?
Bei solchen Veranstaltungen sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, nicht alles sofort zu glauben, sondern Dinge kritisch zu betrachten und zu hinterfragen. Aus dem Geschichtsunterricht ist ihnen schon bekannt, welche Folgen der bedingungslose Gehorsam der Anhänger Hitlers hatte und daher wissen sie, dass solche Filme nicht der Realität entsprechen. Als Ergänzung dazu erkannten die Schülerinnen und Schüler die speziell in diesem Film eingesetzten Propaganda.  Allerdings muss man sehr genau hinsehen, um sich nicht manipulieren zu lassen. Denn bei einem technisch gut gemachten und überzeugenden Film wie „Hitlerjunge Quex“ besteht die Gefahr, dass sich Einzelne für die Ideologie der Nationalsozialisten indirekt begeistern lassen könnten. Heinis Tod am Ende des Films berührt die Zuschauer durchaus. Doch letztlich ruft der Film über den  durchweg als sympathisch dargestellten Hitlerjungen die deutsche Jugend zur bedingungslosen Opferbereitschaft für ihr Vaterland im Krieg auf, was wir heute kritisch sehen und in Frage stellen!