„Erinnern statt vergessen“

Es war eine aufwühlende Konfrontation mit der dunkelsten Seite deutscher Geschichte, als sich Schüler der MSS 12 und 13 in der Aula unserer Schule versammelten, um mithilfe des Berichtes von Margot Wicki-Schwarzschild den Opfern des Holocausts zu gedenken. Von Stina Vollmer, MSS12.

Am Morgen des 30. September verstummten 200 Schüler unter den erschreckenden Berichten einer der letzten Zeitzeugen des Holocausts: Margot Wicki-Schwarzschild. Sie besuchte unsere Schule, um auch hier mit Berichten von „Ausgrenzung, Demütigung, tiefster Verzweiflung und grenzenlosem Grauen“, aus ihrer Vergangenheit, das Vergessen zu verhindern. Sie appelliert mit dem Leitgedanken „Erinnern statt vergessen-Handeln statt schweigen“ und ruft auf zum Hinschauen statt Wegsehen.

Ihr Vortrag wurde eingeleitet durch den Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Roland Paul, welcher anhand von Dokumenten, Briefen und anderen Quellen einen informativen Einblick in die  Geschichte von Juden in der Pfalz, besonders hier in Landstuhl, gab. Darauf baute Margot Wicki-Schwarzschild ihre Berichte aus eigener Erfahrung auf.

Frau Wicki-Schwarzschild berichtet von ihrer Kindheit in Kaiserslautern, von ihrer Schwester, ihrer katholischen Mutter und ihrem jüdischen Vater und der Diskriminierung, die sie zu spüren bekamen. Die Erzählungen um die Schreckensnacht, in der sie nach Gurs gebracht wurden, und die Zustände des Internierungslagers erschrecken besonders. Der Vater wurde von Südfrankreich aus nach Auschwitz deportiert. Für Margot  Wicki-Schwarzschild, ihre Mutter und Schwester gab es Überleben. Vor allem auf die Initiative einer Schwester des Roten Kreuzes hin, des „Engels von Gurs“, die aufgrund eines Kommunionbildes der Mutter, das Margot in der Hektik der Deportation noch schnell aus ihren persönlichen Dingen mitgenommen hatte, die Umsiedlung der Familie nach Rivesaltes in das dortiger Kinderheim durchsetze. Dort arbeitete die Mutter, die beiden Mädchen wurden „nachträglich“ kathloisch getauft und konntenie ihren Schulabschluss machen konnten. Somit war es möglich, sich ab 1946 wieder schrittweise ein neues Leben aufzubauen.

In Kaiserslautern jedoch wohnt sie nicht mehr, sie ist bereits seit den 1950er-Jahren durch Heirat in Basel wohnhaft. Margot Wicki-Schwarzschild konnte sich mit ihrer Vergangenheit und Deutschland versöhnen,
aber durch den Tod ihres Vaters in Auschwitz, kann sie niemals vergeben. Das an unserer Schule diese Thematik behandelt wird, lobte sie sehr und die Interesse der Schüler, welche ihr nach dem Vortrag eifrig Fragen stellten bzw. ihre Interesse bekundeten, wusste sie zu schätzen.

Nach dem Vortrag begab sich das Organisationsteam, welches den Leistungskurs Geschichte der MSS 12 und ihren Lehrer Michael Loth umfasste, Roland Paul, unsere Schulleiterin Andrea Meiswinkel und Margot Wicki-Schwarzschild zur Landstuhler Zehntenscheune.
Dort legten sie Blumen, welche die Schüler der Stufe Zwölf und Dreizehn mitgebracht hatten, an einer Gedenktafel für die Opfer des Holocaust nieder.