Mumifizierung und Totenkult im alten Ägypten

Das alte Ägypten, eine der großen frühen Hochkulturen, ein Land, das die Menschen und mich selbst schon immer in seinen Bann zog. Sei es durch monumentale Bauwerke, wie die Pyramiden von Giseh oder den beeindruckenden Tempel von Karnak, sei es durch die mächtigen Pharaonen, die wie Ramses II., für die ägyptische Bevölkerung fast wie Götter wirken mussten oder sei es durch den mysteriösen und geheimnisvollen Totenkult und die damit verbundene Mumifizierung, die das ewige Leben ermöglichte. Vieles, das man mit dem alten Ägypten assoziiert, hat in irgendeiner Weise mit seiner Religion und mit dem Wunsch nach dem  ewigen Leben zu tun.

 Da dieses zentrale Ziel eines jeden Ägypters laut ägyptischem Glaube nur durch den Erhalt der Leiche erreicht werden kann, habe ich mich in meiner Facharbeit näher mit den Themen Totenkult und Mumifizierung im alten Ägypten auseinandergesetzt. Dazu habe ich zunächst die religiösen Gründe für eine Mumifizierung näher untersucht und dann selbst am Beispiel einer Ratte eine Mumifizierung durchgeführt, um herauszufinden, ob eine Mumifizierung wie früher noch heute möglich ist und wenn ja, welche zusätzlichen Aspekte dabei zu beachten sind. Anschließend bin ich noch kurz auf weitere Mumifizierungen eingegangen und habe dabei die jeweiligen Gründe mit denen der alten Ägypter verglichen.

Auf unserer Schulhomepage werde ich mich jedoch auf die Beschreibung des praktischen Teils, also auf die Mumifizierung der Ratte, beschränken.   

 

Vorarbeit:

Bevor ich mit dem Versuch beginnen konnte, musste ich einiges an Vorarbeit leisten, um spätere Fehler zu vermeiden. So habe ich zuerst recherchiert, welche Materialien ich für die Mumifizierung benötige und ob die vorgegebene Zeit dafür ausreicht. Die Wahl des Tieres fiel mir etwas schwer, ich entschied mich schließlich jedoch für eine Ratte, da sie relativ klein ist (und daher schnell trocknet) und da ich bei Jugendforscht bereits bei einer Sezierung  präparierter Ratten teilnehmen konnte. Dabei konnte ich mir einen ersten Eindruck von der Anatomie einer Ratte und der Vorgehensweise beim Sezieren machen. Jetzt musste ich nur noch in der Apotheke die benötigten Materialien und im Zoohandel eine tiefgefrorene Ratte kaufen, bevor ich loslegen konnte.

 

Versuchsablauf:

Als erstes musste ich die Organe und das Gehirn entfernen, da diese am schnellsten verwesen. Hierfür machte ich mithilfe eines medizinischen Sezierbestecks von der Mitte des Halses zum Schwanzansatz einen Schnitt und nahm die Eingeweide vorsichtig heraus. Unangenehm war hierbei vor allem die Entnahme des Darms. Noch schwieriger war jedoch das Entfernen des Gehirns. Dazu musste ich nämlich über den Hals zum Gehirn vorstoßen und zahlreiche Knochen brechen.

Bevor ich mit der eigentlichen Entwässerung anfangen konnte, reinigte ich den Körper und die entnommenen Organe der Ratte mit Olivenöl. Für die Entwässerung mischte ich ähnlich wie damals die alten Ägypter  ein Natrongemisch aus 80% Natriumcarbonat, 17% Natriumhydrogencarbonat, 1,75% Natriumsulfat und 1,25% Natriumchlorid. Diese Salze sind stark hygroskopisch und entziehen dem Gewebe Feuchtigkeit, sodass keine Zersetzungs- und Verwesungsprozesse mehr möglich sind.

Nach dem Mischen der Salze bedeckte ich den Körper und die Organe der Ratte vollständig mit dem Gemisch und lagerte sie für ca. zwei Monate in einem luftdichten Glas. Dies war notwendig, da die Salze sonst Wasser aus der Luft aufgenommen hätten, wodurch der Entwässerungsprozess behindert worden wäre.

Etwa zwei Wochen später hatte das Salz bereits einige Flüssigkeit aufgenommen, sodass es sich stellenweise gelblich verfärbt hatte. Da es nun nicht mehr so viel Wasser aufnehmen konnte, tauschte ich es mit neuem Salz aus. Das Fleisch war inzwischen gräulich geworden und einige Haare der Ratte haben sich gelöst. Nach weiteren vier Wochen in der Salzlösung wollte ich die Ratte ursprünglich aus dem Salz nehmen. Allerdings muss währenddessen Wasser ins Glas gekommen  sein, sodass noch immer einige Stellen der Ratte feucht waren. Also war eine Nachtrocknung notwendig, um letzte Wasserreste zu entfernen. Hierfür legte ich die Ratte für einen weiteren Tag vor einen Heizstrahler, die Organe legte ich in neuem Salz ein. Auch bei den Ägyptern waren Nachtrocknungen üblich, allerdings brauchten sie keinen Heizstrahler, sie legten ihre Toten lediglich in die Sonne oder trockneten sie über dem Feuer.

Nachdem der Ratte das Wasser fast vollständig entzogen wurde, konnte ich mit der Salbung weitermachen. Dieser Teil der Mumifizierung ist auch sehr wichtig, da der Körper so auch von außen, zum Beispiel vor Schädlingen, geschützt wird. Für die Salbung mischte ich zuerst Tannenharze, Wachs, Myrrhe, Rosmarin, Thymian und Lavendel, was ich dann zusammen über dem Feuer zum Schmelzen brachte. Mit dieser heißen Mischung bestrich ich den äußeren Teil der Ratte. Den inneren Teil des Tieres habe ich mit der gleichen Masse bestrichen, allerdings gab ich hier noch etwas Bitumen hinzu.

Sobald die Ratte etwas erkaltet war, fuhr ich mit der Ausstopfung der Ratte fort. Mit ihr sollte die Originalform der Ratte wiederhergestellt werden. Hierzu nahm  ich medizinische Reinigungskompressen, die ich in das Salböl eintauchte, je nach Bedarf in unterschiedliche Größen knüllte und mit denen ich den Innenraum der Ratte ausfüllte. Anschließend habe ich den vorderen Bereich des Schnittes zugenäht.

Um die Mumie noch zusätzlich von außen zu schützen, bandagierte ich die Ratte. Auch die Binden habe ich zuvor in ein heißes Gemisch aus Tannenharzen, ätherischen Ölen und Wachs getränkt, jetzt fügte ich jedoch noch Natriumcarbonat, Gummi Arabicum und Honig hinzu. Zum Schluss versiegelte ich noch letzte Unebenheiten mit flüssigem Bienenwachs.

 

Versuchsauswertung:

 

Alles in allem ist mir die Mumifizierung gut gelungen, da ich letztendlich eine konservierte Ratte als Resultat vorzeigen konnte. Dennoch möchte ich noch einige Dinge anmerken, die mir während der Mumifizierung aufgefallen waren und an die ich anfangs nicht immer gedacht hatte. Generell war für den Versuch sehr viel Zeit und Aufwand nötig. Dazu waren die benötigten Materialien nicht nur teuer, ich brauchte auch spezielle medizinische Geräte (für die eine Einführung nötig war), um möglichst wissenschaftlich arbeiten zu können. Außerdem war relativ viel Vorwissen erforderlich, das die rein historischen Hintergründe über das alte Ägypten deutlich überschritt. Beim ersten Mumifizieren war jedoch auch problematisch, dass ich vieles selbst herausfinden musste und dabei nicht sicher sein konnte, ob ich tatsächlich so handele wie die alten Ägypter. So war es z.B. schwer einschätzbar, wie lange die Ratte noch im Salz eingelegt bleiben musste. Ich musste also immer damit rechnen, dass der Versuch verzögert wird oder sogar misslingt.

Diese Beobachtungen zeigen, dass man trotz zahlreichen Nachforschungen und Bemühungen zwar ein totes Lebewesen ähnlich wie früher haltbar machen, aber wahrscheinlich nur sehr schwer genau wie im alten Ägypten mumifizieren kann. Wir waren ja schließlich nicht dabei als spezialisierte Balsamierer Hand anlegten, um ihre Toten für Jahrtausende haltbar zu machen.

 

Im Anhang findet ihr noch einige Bilder der Ratte, die ich im Laufe der Mumifizierung gemacht habe!

Laura Bold, MSS 13