Werner Maas am Sickingen-Gymnasium

Lautern, New York, Cambrigde - und zurück

 

LANDSTUHL:

 

Zeitzeuge Werner Maas erzählt Schülern des Sickingen-Gymnasiums aus seinem Leben

Nicht nur aufgrund seines jüdischen Glaubens ist das Leben des 91-jährigen Werner Maas bisher äußerst bewegt verlaufen. Der gebürtige Kaiserslauterer machte als Biologe in den USA Karriere. Zusammen mit seiner Frau Renata stellte er sich jetzt den Fragen der zwölften Stufe des Sickingen-Gymnasiums in Landstuhl.

Der 1921 in Kaiserslautern geborene Maas erzählte den Schülern, dass er eine „relativ schöne Zeit” am ehemaligen Humanistischen Gymnasium, dem heutigen Albert-Schweitzer-Gymnasium, erlebt habe. Lediglich ein Lehrer sei offen antisemitisch gewesen. Werner Maas konnte aufgrund einer Kinderlähmung nur schwer malen und zeichnen. Der nationalsozialistisch ausgerichtete Pädagoge habe in diesem Kontext der gesamten Klasse daraufhin erklärt: „Hier könnt ihr sehen, dass die Juden kein Talent für die schönen Künste besitzen.”

Aufgrund des steigenden Drucks durch die Nazis floh die Familie 1936 nach New York. Werner Maas' Vater Albert starb kurze Zeit später. Diese erschreckende Mehrfachbelastung - fremdes Land, Großstadt New York, Verlust des Vaters, Fremdsprache Englisch und dazu noch finanziell in Not - konnten die Landstuhler Schüler der Oberstufe sicher nur schwer nachempfinden. Näher am Horizont der Schüler waren Maas' lebhafte Schilderungen von unbeschwerten FCK-Stadionbesuchen mit dem Vater in der Zeit, in der die Nationalsozialisten noch nicht das Sagen hatten. Albert Maas sr. war Arzt und in den 30er Jahren neben seiner Praxis zuständig für die berühmten Pfälzer Kicker vom Betzenberg.

Von Paris aus mit dem Zug nach Italien und weiter per Schiff gelang die Ausreise in die Vereinten Staaten. In New York fuhr Maas zum ersten Mal mit einer U-Bahn. Mit seiner Mutter konnte er zwei Wochen bei entfernten Verwandten in Brooklyn wohnen, bevor sie nach Manhattan eigene Wohnräume bezogen.

Dank eines Stipendiums durfte Maas ein außergewöhnliches Internat besuchen: Mädchen und Jungen gingen gemeinsam in dieselben Klassen und der Unterricht fand zum Großteil im Freien statt. Dieses kreativ-freiheitliche Umfeld hat Werner Maas sehr gut getan. Im Alter von 18 Jahren genoss Maas die Ehre, als Jahrgangsbester Schüler die Abschlussrede halten zu dürfen.

Da er mehrmals positiv aufgefallen war, bekam er die Einladung eines Biologen, einen Sommer lang im Forschungslabor mitzuarbeiten. Da ihm das Forschen viel Freude bereitete, entschied er sich für ein Studium des Fachs Biologie. Mit erneut etwas Glück und einem Stipendium landete er schließlich an einer der renommiertesten Hochschulen der Welt: der „Harvard University”.

Nachdem er während des Studiums viele Ansatzpunkte für weiter gehende Forschungsprojekte erhielt, entschied er sich für eine wissenschaftliche Karriere. An der Universität traf er auch seine Frau Renata, die nach ihrer Promotion einer wissenschaftlichen Tätigkeit am selben Institut nachging.

Das Ehepaar Maas blieb New York treu verbunden. Werner Maas folgte dem Ruf einer Professur an der „New York University Medical School” und erlangte mit seinen Forschungsergebnissen in Mikrobiologie und Genetik internationale Anerkennung. Eines Tages erhielt er einen Brief von einem Kollegen der Universität Kaiserslautern, der ihn um einen wissenschaftlichen Artikel bat. Maas kam dieser Bitte gerne nach und merkte auf einem Begleitschreiben an, dass er aus Kaiserslautern stammt.

Daraufhin folgte eine Einladung in die Pfalz, die Maas zusammen mit seiner Frau prompt wahrnahm. Er besuchte unter anderem das Albert-Schweitzer-Gymnasium, wo ihm ein ehemaliger Lehrer alte Klassenarbeiten aushändigte.

Über den Lehrer kam der Kontakt zu Roland Paul zustande, dem stellvertretenden Leiter des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde Kaiserslautern. Paul war es auch, der den Vortrag im Sickingen-Gymnasium ermöglichte. Seit über 20 Jahren hält er Kontakt zum Ehepaar Maas, das mittlerweile etwa zweimal im Jahr einige Wochen in der alten Heimat verbringt.

Am Ende des Vortrags wollte ein Schüler den 91-jährigen Referenten mit der frechen Frage „Glauben Sie, dass der FCK absteigt?” herausfordern. Maas konterte locker: „Der FCK ist meinem Kenntnisstand nach bereits rechnerisch so gut wie abgestiegen.” Das hatte gesessen. Die etwa 90 Schülerinnen und Schüler applaudierten. (job) Die Rheinpfalz, 19.04.2012