Mein Sozialpraktikum im Resozialisierungsheim

von Ruth Nolte

Mein Praktikum habe ich in der Schernau bei Martinshöhe absolviert. Die Scheinau ist Altenheim, Übergangsheim und Resozialisierungsheim in einem. Hauptsächlich war ich im Haupthaus und Spielezimmer in der sozialen Betreuung aktiv. Dies beinhaltete für mich hauptsächlich das Erlernen von Rommee und Gedächtnistraining mit den Bewohnern. Besonders bedeutete das, einfach anwesend zu sein, was ich zuerst unterschätzt hatte. Jedoch nicht, weil es schwierig ist, sondern weil es viel bei den Bewohnern auslöste.

Das ist das Bild, das ein Bewohner für mich gemalt hat.

Ein Bewohner zum Beispiel war sehr unruhig und wollte immer ein Bild zum ausmalen, welches er dann nur mit ein paar Strichen übermalte. Als ich mich neben ihn gesetzt habe und ihm beim Ausmalen zugesehen habe, wurde er sorgfältiger und auch kreativer beim Ausmalen und benutzte mehr Farben als davor. 

Im Bodelschwinghaus sind die eher bettlägerigen und pflegebedürftigen Bewohner untergebracht. Dort war ich z.B. für das Bringen von Kleidung oder Handtüchern zuständig, wenn ein Bewohner gebadet wurde. 

Die Umstellung vom Schulalltag auf den Arbeitsalltag fiel mir nicht schwer. Früher aufstehen musste ich zwar nicht, aber länger bleiben, jeden Tag von acht bist halb fünf. Das machte aber nicht wirklich etwas aus,da man danach ja keine Hausaufgaben mehr machen und auch nicht lernen musste. Anfangs war es zwar schon etwas ungewohnt sich den Schlüssel für die Umkleide zu holen und dann in Arbeitskleidung durch das gesamte Treppenhaus bis zur fünften Station zu gehen, aber ab dem dritten Tag wurde man bereits von manchen Bewohnern erkannt und begrüßt.  

Generell hat das Praktikum nicht meine Einstellung gegenüber beeinträchtigten Menschen verändert, da ich sie vorher schon respektvoll behandelt habe und das auch weiterhin tun werde. Meine Einstellung Altenpflegern gegenüber hat sich hingegen verändert. Ich habe jetzt eine große Achtung vor ihnen und ihrem Beruf. Es ist einerseits eine schwere körperliche Arbeit und andererseits auch eine seelisch belastende. 

Beeindruckt haben mich viele Dinge. Wie glücklich die Bewohner waren, wenn sie einem etwas beibringen konnten, wie zum Beispiel die Spielregeln eines Kartenspieles, oder auch wenn sie einem etwas schenken durften, wie etwa ein selbstgemaltes Bild. Besonders eingeprägt hat sich mir ihre Freude als es einmal zum Nachtisch Schokoladenpudding gab. 

Geprägt hat mich auch der Spaziergang mit einem hochrangig dementen Bewohner. Er wusste zwar nicht, wo er ist oder warum er da ist oder wer er überhaupt ist, aber er hat den Spaziergang augenscheinlich genossen.

Schockiert hat mich, dass man die bettlägerigen Bewohner auch umlegen und waschen muss, wenn sie sich dagegen wehren und sogar den Pfleger angreifen oder mit Gegenständen bewerfen. Auch das es so viele Menschen gibt, die ein ganz normales Leben hatten aber wegen eines einzelnen Ereignisses so sehr abgestürzt sind, dass sie keinen Weg mehr in das normale Leben zurückfinden. Diese Ereignisse können eine Trennung von der Frau sein, die in einer Alkoholsucht endet oder auch ein Diebstahl aus Armut, wegen dem sie ins Gefängnis mussten und danach keine Arbeit mehr gefunden haben, weil sie ja einmal im Gefängnis gewesen sind. 

Auch die Tatsache, wie viele Angehörigen nur vorbeikommen, um neue Kleidung vorbeizubringen und ihre Verwandtschaft dann nicht besuchen, selbst wenn diese sich nichts sehnlicher wünschen. 

Ich konnte mir zwar davor nicht vorstellen in diesem Berufszweig aktiv zu sein und kann es mir immer noch nicht vorstellen aber das Praktikum hat mir einen guten Einblick gegeben und ich habe nun eine viel bessere Vorstellung davon, was der Beruf des Altenpflegers alles bedeutet.