"Pädagogischer Kaffeeklatsch" mit Lehrkräften von der Grundschule

von Achim Jung

Seit vielen Jahren hat sich der sogenannte „Pädagogische Kaffeeklatsch“ im Terminkalender am SGL fest etabliert. Dabei treffen sich Lehrkräfte der Grundschulen mit ihren Kolleginnen und Kollegen vom SGL, um über aktuelle Themen der Pädagogik und insbesondere über Probleme und Entwicklungen beim Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium zu sprechen. Auch dieses Jahr konnten die Schulleiterin, Oberstudiendirektorin Andrea Meiswinkel, und die Orientierungsstufenleiterin, Studiendirektorin Dr. Andrea Kolbe, wieder zahlreiche Gäste von den umliegenden Grundschulen am SGL zu Kaffee und Kuchen begrüßen.

Bei dem zwanglosen Austausch wurden in fächer- und themenbezogenen Gruppen ganz verschiedene Themenbereiche angesprochen, wobei die Ergebnisse der Gruppen im zweiten Teil jeweils referiert und dann ausführlich diskutiert wurden.

Besonders interessant war es für die Lehrkräfte vom SGL zu erfahren, welche besonderen Arbeitsformen und Methoden an der Grundschule eingesetzt werden.

So ist es zum Beispiel für das Fach Mathematik interessant zu wissen, dass die Schülerinnen und Schüler in den jeweiligen Grundschulen je verschiedene Rechen- und Lösungswege lernen. Für gute Schülerinnen und Schüler ist es kein Problem, wenn sie am Gymnasium dann auch andere Lösungswege kennenlernen. Einige Schülerinnen und Schüler brauchen beim Übergang aufs Gymnasium dagegen in diesem Zusammenhang besondere Förderung und Hilfe. Auch die Bedeutung der Lesekompetenz für das Verstehen von Textaufgaben wurde unterstrichen. Hier zeigen viele Schülerinnen und Schüler große Schwächen, da sie zu wenig lesen. Hier bereitet die Grundschule durch gezielte Leseübungen auf das Gymnasium vor.

Aufschlussreich für die Lehrkräfte vom Gymnasium war es auch, welche Probleme vielen Schülerinnen und Schüler die alltägliche Organisation ihrer Arbeitsmaterialien bereitet. An der Grundschule bekommen sie immer genau gesagt, was sie alles mitbringen und was sie gerade aus der Tasche nehmen müssen. Am Gymnasium wird dies sehr schnell vorausgesetzt und es wird von den Schülerinnen und Schülern weit mehr Selbstständigkeit und Eigeninitiative erwartet.

Auch der Umgang mit den Hausaufgaben wurde besprochen, wobei besonders positiv gewertet wurde, dass die Schülerinnen und Schüler auch in der Grundschule schon im Schnitte 60 Minuten pro Tag Hausaufgaben erledigen müssen, so dass sie insoweit schon ganz gut auf die Anforderungen des Gymnasiums vorbereitet sind. Außerdem wurde auch das Problem der Schreibschrift diskutiert. Da in Deutschland keine Standardschreibschrift vermittelt wird, schreiben die Kinder am Ende ganz unterschiedlich. Viele Kinder gewöhnen es sich sogar an, nicht mehr in Schreibschrift, sondern nur noch in Druckschrift zu schreiben, obwohl an der Grundschule die Schreibschrift durchaus gelehrt und geübt wird. Es bestand die einhellige Auffassung, dass auch weiterhin das Schreiben in Schreibschrift zu vermitteln und soweit möglich einzufordern sei.

Zusammenfassend wurde am Ende des Erfahrungsaustauschs festgestellt, dass die Vermittlung von Ausdauer und Arbeitsmoral ganz besonders wichtig sei, damit der Übergang auf das Gymnasium gelingen könne. Dabei dürften auch die Bewegung und der Sport nicht zu kurz kommen, die an der Grundschule anders als am Gymnasium in den Unterrichtsablauf integriert würden. Allerdings müssten Schülerinnen und Schüler auch wirklich Zeit zum Lernen haben und bekommen. Allzu viel Ablenkung ist hier sehr schädlich, der bewusste Verzicht auf die Spielkonsole zum Beispiel könnte häufig den Nachhilfelehrer überflüssig werden lassen. Wenn die Schülerinnen und Schüler sich dagegen Zeit zum Üben nähmen, verstärkte dies den Lerneffekt sehr und verbessere die Chance, dass der Übergang auf das Gymnasium erfolgreich gelingt.