Philosophie-Projekt: Think different! - Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften

Das Motto der diesjährigen Projektwoche am SGL war „“Was man in der Schule nicht lernt“. An den meisten Schulen in Deutschland hätte schon das Angebot eines Philosophieprojekt wäre das Angebot eines Philosophie-Projekts schon unter dieses Motto gefallen, denn Philosophieunterricht gibt es nur an wenigen deutschen Schulen. Bekanntschaft mit dem Philosophieren machen die Schülerinnen und Schülern dort vielleicht auch in anderen Fächern, vor allem im Ethik- und Religionsunterricht, aber welche Bedeutung das Fach hat, kann so nur den wenigsten klarwerden. Am SGL, wo es Philosophie als Grund- und als Leistungskurs gibt, musste sich der Philosophielehrer Achim Jung, der von dem Studienreferendar Michael Preis unterstüzt wurde, schon etwas Besonderes einfallen lassen. Der Titel seines Projektvorschlags lautete: „Think different - Philosophieren lernen leicht gemacht - Präsentation von Problemen, insbesondere aus den Naturwissenschaften und der Mathematik aus philosophischer Perspektive“.

Diese Themenstellung widerspricht dem, was die meisten Schülerinnen und Schülern in der Schule über Naturwissenschaften lernen und passt daher ganz gut zum Motto der Projektwoche. Naturwissenschaften werden als exakt, praxis- und technikorientiert aufgefasst, während man glaubt, Philosophie sei wirklichkeitsfremd, unverständlich und am Ende ohne jeden praktischen Nutzen. Dabei wird vollkommen vergessen, dass die Naturwissenschaften aus der Naturphilosophie hervorgegangen sind und dass am Anfang jedes naturwissenschaftlichen Fortschritts philosophische Fragestellungen standen, man denke nur an die Atom- und die Relativitätstheorie oder an die Quantenphysik. Auch werfen naturwissenschaftliche Erkenntnisse viele philosophische, insbesondere auch ethische Probleme und Fragen auf.

Denn die Naturwissenschaften liefern nur auf den ersten Blick klare und sichere Erkenntnisse. Dieser Eindruck entsteht leicht, weil die Naturwissenschaften alle Phänomene in der Natur durch mathematische Formeln scheinbar verständlich und vorhersehbar machen. Alles scheint berechenbar und damit auch technisch nutzbar, wobei das, was die Formel erfasst, selbst gar nicht mehr als solches wahrgenommen wird. Die Formel für die Erdbeschleunigung z.B. lässt das Phänomen der Gravitation selbst vergessen. Aber am Anfang jeder naturwissenschaftlichen Forschung steht die Beobachtung von konkreten Phänomenen und die erstaunte Ahnung, dass es in den Erscheinungen Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten geben könnte. Denn Menschen sind nicht nur rationale, sondern auch ästhetisch-empfindsame Wesen, die immer auch ein emotionales Verhältnis zu allen Dingen entwickeln. Philosophisches Denken vermag diese beiden Dimensionen zu verknüpfen und eröffnet neue Perspektiven und Sichtweisen. In dem ursprünglichen philosophischen Staunen, das sich zunächst aus der ästhetischen Erkenntnis entwickelt und zum Denken hinführt, liegt der eigentliche Antrieb zum Forschen und zu neuen Ideen.

In dem Philosophie-Projekt setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit Texten auseinander, in denen verschiedene mathematische und naturwissenschaftliche Themenbereiche behandelt wurden, wie z. B. die Unendlichkeit, die Zahlentheorie, die Relativitätstheorie oder die Quantenphysik. Ziel des Projekts war es, Erklärvideos zu diesen Themen zu erstellen.

Bei der Auseinandersetzung mit den Themen wurde den Schülerinnen und Schülern schnell klar, dass die allgemein verbreiteten Vorstellungen über die Naturwissenschaften und die Mathematik nicht stimmen können, nämlich dass diese die Rätsel der Natur ganz aufklärten und objektive, sichere Erkenntnisse lieferten. In Wirklichkeit vermehrt die naturwissenschaftliche Erkenntnis der Welt das Geheimnisvolle in ihr nur noch und wirft viele philosophische Fragen auf. Dies macht das Video von Caroline Waltz und Sabrina Ecker aus der MSS12 zur Quantenphysik  mit dem Titel „Parallelwelten“ in beispielhafter Weise deutlich.

 

Das Video von Caroline Waltz und Sabrina Ecker sehen Sie hier.