Wie können wir die Wahrheit erkennen? – Eindrücke aus der Vorlesung zum Thema „Geschichte der Philosophie“

von Anna Burger

Im Rahmen des Philosophie-Projekts besuchten wir unter anderem eine Vorlesung von Prof. Dr. Dr. Stefan Seit der Vorlesungsreihe „ Geschichte der Philosophie“, die sich mit dem Thema der Akademischen Skepsis beschäftigte.

Nachdem es anfangs etwas schwer fiel, dem Vortrag des Professors zu folgen, gelang es relativ schnell, in die Gedankenwelt der Skeptiker Arkesilaos und Korneades von Kyrene im Griechenland des zweiten Jahrhunderts vor Christus einzutauchen und obwohl das Thema „Geschichte der Philosophie“ zunächst etwas trocken anmutete, schaffte es Prof. Dr. Dr. Seit durch eine lebendige Vortragsweise, die Vorlesung interessant zu gestalten und seine Zuhörer mit Fragen, die sich bereits die alten griechischen Philosophen gestellt haben, zu fesseln.

Wie kann ich die Wahrheit erkennen? Wie kann ich zwischen wahr und falsch unterscheiden? Was können wir wissen? Und wie sollen wir demnach handeln? Diese Fragen wurden im Laufe der Vorlesung unter Zuhilfenahme von Quellen von Cicero, Diogenes Laertius und Sextus Empiricus und mit ausführlichen Erläuterungen des Professors beantwortet.

PD Dr. theol. Dr. phil. Stefan Seit

 

Wir alle kennen Sokrates‘ Ausspruch „Ich weiß, dass ich nicht weiß.“, aber Arkesilaos geht noch über diese Behauptung hinaus: Noch nicht einmal das könne der Mensch wissen. Gibt es Argumente für und gegen eine Annahme, existiert kein Maßstab für die Unterscheidung von wahr und falsch und kein Kriterium, das es ermöglicht, die Wahrheit zu erkennen. Demnach sollte man alle Behauptungen zurück halten.

Weder die Sinneswahrnehmung, noch die Vernunft, können nach den Skeptikern als Kriterium der Wahrheit in Frage kommen, denn wählt man eine Vorstellung, die durch eine Wahrnehmung der Sinne entstanden ist, als Kriterium, bräuchte man zugleich ein Kriterium, um zu entscheiden, ob die Vorstellung wahr ist, da es bei den Sinneseindrücken des Menschen auch zu Täuschungen kommen kann. Man bewegt sich im Kreis. Diese Vorstellung, die sowohl Wahr als auch Falsch umspannt, ist also nicht erkenntnistauglich und kann nicht als Kriterium dienen, genauso wie die Vernunft, die von Vorstellungen abgeleitet ist.

Deutlich wird dies an einem Beispiel: Taucht man einen Stab in Wasser, erscheint er geknickt, aber untersucht man den Stab mit den Händen, kann man keinen Knick fühlen. Seh- und Tastsinn widersprechen sich. Die Wahrheit existiert, kann allerdings nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Somit ist es nicht möglich, ein Urteil zu fällen.

Aber ist diese Geisteshaltung lebenstechnisch durchzuhalten? Im Alltag sind wir oft gezwungen, Position zu beziehen, und es existieren keine Einzelwahrnehmungen wie unter Laborbedingungen, sondern alle Wahrnehmungen ereignen sich im Kontext. Aus diesem Grund bestimmt Karneades als eine Art schwaches Wahrheitskriterium die Glaubhaftigkeit eines Ereignisses und legt nahe, sich unter Miteinbeziehung der Lebenserfahrung an Indizien zu orientieren, an dem, was meistens eintritt und wahrscheinlich erscheint.

Schließlich wurde die Vorlesung mit einer Fragerunde, bei der sich die Studenten untereinander und mit dem Professor austauschen konnten, beendet.