Winterakademie 2015

Ohne Philosophie keine Bildung

 

von Sophie Steidel

 

Letzte Woche, als sich die Schüler der MSS 13 im Rahmen des Uniprojekts mehr oder weniger mit ihrer Zukunft auseinandersetzten oder in Berlin die letzte gemeinsame Zeit genossen, besuchten Ada Haen und ich (Sophie Steidel) die 15. philosophische Winterakademie in Münster. Zu dieser Veranstaltung, die gleichzeitig der Bundesentscheid des philosophischen Essaywettbewerbs war, wurden wir als Landessieger von Rheinland-Pfalz vom Land Nordrein-Westfahlen eingeladen.

Im Tagungszentrum „Akademie Franz Hitze Haus“, das uns von den Räumlichkeiten und der Verpflegung her gut gefallen hat, setzten wir Teilnehmer uns von Dienstag bis Freitag mit dem Thema „Philosophie und Bildung“ auseinander. 

Nach einer Kennenlernrunde mit den 22 weiteren Teilnehmern und einem Vortrag über das Verfassen von Essays, schrieben wir Mittwochmorgens einen philosophischen Essay zu einem von vier Zitaten. Die Schwierigkeit hierbei bestand nicht nur in der Argumentation für oder gegen die Aussagen von Rousseau, Schopenhauer, Wittgenstein und Flusser sondern auch darin, den Essay in einer Fremdsprache zu schreiben. In den folgenden Tagen sollten die Essays dann von Philosophielehrern aus ganz Deutschland, unter anderem auch von dem Landstuhler Philosophielehrer Achim Jung, gelesen und ausgewertet werden.

Nachdem die Anspannung des Wettbewerbs von uns abfiel, konnten wir uns ganz auf das Programm der Akademie konzentrieren. Obwohl das permanente Denken und Diskutieren von morgens 8 bis abends 22 Uhr sehr anstrengend, war, haben Ada und ich jede Minute der Akademie genossen. In Vorträgen, Arbeitsgruppen und bei philosophischen Diskussionen, ob während des Programms oder beim Abendessen, konnten wir sehr viel lernen. Die Referenten Dr. Gerd Gerhardt, Prof. Dr. Volker Steenblock und die Betreuer Niklas Draeger sowie Miguel de la Riva (Philosophiestudenten und ehemalige Olympiateilnehmer aus Berlin und Wien) konnten uns mit ihrer Motivation und ihrem Interessen an den Themen Philosophie wie auch Bildung begeistern. Vor allem die Feststellung, dass Bildung in Deutschland heute auch eine ökonomische und sozio-politische Dimension hat, hat uns sehr beschäftigt. Oft stellten wir uns die Frage „In wie weit erzieht unser Staat uns zu Arbeitnehmern, die Wachstum garantieren oder zu Menschen die ihre Persönlichkeit frei entwickeln?“

So diskutierten wir, im Zuge von Prof. Dr. Steenblocks Vortrag, über den Sinn bzw. Unsinn von Pisa-Studien, des Zentralabiturs und des G8-Systems. Auch sahen wir in der Tendenz, dass immer mehr Schüler das Gymnasium besuchen und dieses somit seine eigentliche Funktion der allgemeinen Bildung (nicht Ausbildung) und Vorbereitung der Schüler auf das Studium verliert, besorgt entgegen.

Am letzten Tag ließ uns dann noch Dr. Gerd Gerhards Vortrag zu dem Schluss kommen, dass das Bildungsniveau in Deutschland vor allem durch Fächer wie Philosophie, Deutsch, Religion, Kunst oder Ethik wieder gehoben werden kann. Da die Lehrpläne oft darauf ausgerichtet sind, den Schülern Kompetenzen anzueignen statt Wissen zu vermitteln, kommt die Selbstreflexion und damit die Bildung zu kurz. Gerade aber die Fähigkeit, sein Handeln zu reflektieren, ist in einer multikulturellen Gesellschaft von großer Bedeutung. Denn was nützen uns unsere Kompetenzen, wenn wir mit Menschen anderer Kulturen oder Meinungen nicht umgehen können und uns selbst nicht einschätzen können? 

Tage- und nächtelang diskutierten Ada und ich mit den anderen Teilnehmern, die uns alle sehr ans Herz gewachsen sind, über diese Themen aber auch über die klassischen philosophischen Fragen wie „Wer bin ich?“ oder „Was passiert mit meiner Seele nach dem Tod?“ Die Atmosphäre im Franz-Hitze-Haus war sehr gelassen und fröhlich. Das abendliche Zusammensitzen mit Lehrern, Studenten und Schülern in der „Pinte“ (Hotelbar) war eine schöne und erkenntnisreiche Erfahrung.

Eines der 5 Stipendien sowie Plätze für die Internationale Philosophie-Olympiade konnten Ada und ich jedoch nicht gewinnen. Denn obwohl Ada im Französisch- und Englischleistungksurs waren, konnten wir nur schwer mit Schülern von Internationalen Schulen oder Schülern aus NRW mithalten, die mit 6 Jahren Philosophie (Ethik wird in Nordrhein-Westfalen Philosohie genannt) erfahrener waren als wir. Gut, dass wir mit unseren zukünftigen Philosophieleistungskursen am Sickingen-Gymnasium den anderen Bundesländern dicht auf den Fersen sind!