Projekt "Song - Analyse"

von Stefanie Kugland 

In der Projektwoche wurde unter anderem ein Projekt namens „Song-Analyse“ angeboten. Zunächst

konnten wir uns nur schwer etwas unter dem Projekt vorstellen, da man Lieder meistens hört und

nicht Zeile für Zeile interpretiert bzw. analysiert. Das Projekt selbst wurde von Herr Reinhold sowie

von Herrn Klein geleitet, welche ziemlich erfahren in dem Umgang mit „Song-Analysen“ schienen.

Zunächst weckte das Projekt bei uns kein überdimensional großes Interesse, denn ehrlich: Wer

interpretiert schon gerne Texte. :)

Doch schon bald wurden wir eines Besseren belehrt!

Wir wurden zunächst in kleinere Gruppen unterteilt, in welchen wir zwei Liedtexte von keinen

geringeren als Bob Dylan und Bruce Springsteen analysierten. Die Arbeit mit den Texten machte

uns überraschenderweise allen Spaß und wir waren darüber erstaunt, was man alles in einen

„einfachen“ Liedtext verpacken konnte. Hört man ein Lied im Radio, wird man häufig nur von dem

Rhythmus und von der Stimmung, die dieses Lied verbreitet, erfasst. Oft singt man inbrünstig mit,

ohne zu wissen, was man da überhaupt singt. Vor allem Songs in anderen Sprachen beinhalten oft

Themen, die der Zuhörer bzw. inbrünstige „Mitsänger“ überhaupt nicht verstehen kann. Trotzdem

kann man das Mitsingen nicht lassen und hat oft noch tagelang einen „Ohrwurm“ davon.

Wir aber befassten uns in diesem Projekt nun intensiv mit den Song-Texten. Plötzlich wurde jedem

klar, dass es bei einem guten Lied nicht um die begleitende Musik ging. Vielmehr will der Artist

mit dem Liedtext eine Botschaft transportieren, die oft beim nicht genauen Hinhören verloren geht.

Es stecken oft sehr viele Emotionen und Gefühle in solch einem Text und wenn man es schafft,

diese „herauszufiltern“, versteht man erst den Sinn des Liedes und somit auch die Botschaft, die

dem Textschreiber so wichtig war. Die Musik wird oft nur als “Verpackung“ genutzt, wodurch oft eine bestimmte Stimmung erzeugt wird, um den Zuhörer in den Bann zu ziehen und ihn emotional zu berühren.

Uns ist jedoch auch aufgefallen, dass die Musik bzw. die Melodie oft auch irreführend oder gar gegensätzlich zur Stimmung des Textes ist, um z.B. einen falschen Eindruck der beschriebenen Situation bzw. Handlung zu erwecken (Manipulation) oder Ironie zu „verpacken“.

Um dies uns klarzumachen und um hier nun ein direktes Beispiel zu nennen, beschäftigte sich

„unsere“ Gruppe mit dem Lied : BORN IN THE USA. So ziemlich Jeder kennt diesen Klassiker,

der 1984 veröffentlicht wurde, doch nur die Wenigsten verstehen den weiteren Sinn des Stücks. Das

Lied verbreitet oft eine gute Stimmung, durch seine einprägsame und muntere Melodie. Dass es

jedoch in dem Song unter anderem um den Vietnam Krieg geht oder von einfachen Leuten, die mit

einer Waffe in der Hand in den Krieg geschickt wurden und starben handelt, wissen die Wenigsten.

Trauer, Scherz und Tod beschreiben womöglich den Inhalt dieses Liedes am besten. Bei diesem

Beispiel passen nun Melodie und Textinhalt so gar nicht zusammen, was jedoch womöglich auch

auf unser moralisches Denken und das Wissen des historischen Kontextes zurückzuführen ist.

Durch dieses Projekt wurde uns beigebracht, genauer hin zu hören und nicht jedes Lied nur anhand

der Musik oberflächlich zu beurteilen. Wenn ich nun den Song von Bruce Springsteen höre, höre

ich ihn mit ganz anderen Ohren, denn ich VERSTEHE ihn in all seinen Facetten. Ich höre kritisch

zu und lass mich viel emotionaler von dem Text berühren als zuvor. Und genau dies war auch der

Sinn dieses Projektes und die Botschaft, die denke ich Jedem im Hinterkopf bleiben sollte!

Verstehen, statt vorschnell beurteilen, denn „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden

kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“ (Victor Hugo).