Russisch-Olympiade: Bericht aus der Rheinpfalz vom 03.11.2010

„Borschtsch" geht schwer über die Zunge

Landstuhl: Sickingen-Gymnasium richtet erstmals die Russisch-Olympiade für Rheinland-Pfalz aus

 

Die einen interessiert die Sprache und Kultur, andere wollen mit ihren russischen Freunden reden und wieder andere ihre eigene Muttersprache endlich lesen und schreiben können: Die Motivation der Schüler am Landstuhler Sickingen-Gymnasium, Russisch zu lernen, ist sehr vielfältig. Und vorangetrieben wird das Interesse durch die Russisch-Olympiade Rheinland-Pfalz, die in diesem Jahr vom Sickingen-Gymnasium ausgetragen wird.
Zum mittlerweile achten Mal findet die Russisch-Olympiade Rheinland-Pfalz statt. Sie führt zur Bundesolympiade für russische Sprache, Literatur und Landeskunde. Getragen wird die Veranstaltung vom Russischlehrerverband Rheinland-Pfalz und wird vom Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend gefördert.
Das Sickingen-Gymnasium betritt mit der Olympiade Neuland. Es richtet den Sprachenwettbewerb zum ersten Mal aus und schickt, ebenfalls erstmals, selbst Teilnehmer ins Rennen, echte Fremdsprachler sowie Schüler mit der Herkunftssprache Russisch. Sieben Elft- und zwei Zehntklässler stellen sich den Anforderungen. Insgesamt wird mit bis zu 150 teilnehmenden Schülern aus ganz Rheinland-Pfalz gerechnet. Ausrichtende Schulen waren bisher Gymnasien in Alzey, Neuerburg in der Eifel, Ludwigshafen, Simmern, Mainz, Trier und Landau.
Der Russischunterricht hingegen bereichert Landstuhl schon seit stolzen 30 Jahren. Seit diesem Jahr auch wieder als Grundkurs in der Oberstufe und damit als einzige Schule im Bereich des Schulträgers. Immerhin erlernen am Landstuhler Gymnaisum derzeit 33 Schüler Russisch als dritte Fremdsprache. Ein „optimistisches Zeichen für die slawische Sprache", urteilt die Schulleitung.
Speziell auf die Olympiade vorbereitet hat sich zumindest Teilnehmer Daniel nicht. Der Zehntklässler nimmt seit der neunten Klasse am Wahlfach Russisch teil. Ein Muttersprachler, der die Sprache seiner Eltern nicht richtig lesen oder schreiben konnte, war er bislang. Das will er ändern. Genau deshalb büffelt auch Ines bei Russischlehrerin Anja Voigt die Sprache ihrer Familie.
In diesem Unterricht lernt manchmal auch die Lehrerin von ihren Schülern: Da wird schon an der Aussprache korrigiert. Und die Muttersprachler helfen auch ganz nebenbei den echten Fremdsprachlern - wie beispielsweise Damla und Julian aus der Neunten. Damla hat viele russisch sprechende Freunde und will sich vernünftig mit ihnen unterhalten können. Julian gibt als Grund Interesse an Sprache und Kultur an. Vor allem die Kunst an russischen Gebäuden hat es dem Schüler angetan. Schwer sei die neue Sprache und die ungewohnte Schrift nicht. Es sei alles eine Frage des richtigen Lernens. Und des Übens wohl auch.
Das rollende „R", die Abfolge „kt", die aus dem Gaumen kommen muss, oder die Aussprache des „Schtsch" - wie in Borschtsch - klappt selten auf Anhieb. Ganz zu schweigen von dem Buchstaben, der irgendwo zwischen „i" und „ü" liegt. „Ihr müsst die Zunge nach hinten legen und dann ein ,i" formulieren", ist von Marita Groß, seit 30 Jahren Russischlehrerin in Landstuhl, zu hören.
Sie freut sich mit der gesamten Schule auf den Sprachwettbewerb und sieht ihn auch als Auszeichnung für ihr Gymnasium an. Die Russisch-Olympiade wertet sie als Impuls, Motivation und Werbeträger, sich intensiver mit der russischen Sprache, Kultur und Geschichte zu befassen.
Wie die Schule im Vergleich mit anderen Russisch unterrichtenden Schulen dasteht, kann in Landstuhl im Vorfeld keiner abschätzen. Das wird sich morgen zeigen. So gesehen wird bei der Russisch-Olympiade jeder gewinnen: Die einen neue Erkenntnisse, die anderen Freude an der fremden Sprache, und einige die Fahrkarte zur nächsten Runde. (thea)
Info
160 Schüler von 15 Schulen haben sich zur Russisch-Olympiade angemeldet. Zwei davon sind aus dem Landkreis Kaiserslautern (Sickingen-Gymnasium und Realschule Plus Weilerbach). Aus der Stadt nehmen teil Burggymnasium, Heinrich-Heine-Gymnasium, Hohenstaufen-Gymnasium, IGS, Kurpfalz Realschule, Hauptschule Bännjerrück. Der Rest kommt aus Ludwigshafen, Mainz, Neuerburg, Simmern, Trier. (thea)