Da leben, wo andere Urlaub machen…

 

Bericht einer ehemaligen Schülerin des Sickingen-Gymnasiums Landstuhl

 …zumindest für eine Weile. Nach dem Abitur ins Ausland gehen und mal was anderes machen, das war mein Plan! Die Gelegenheit ergab sich prompt, als ich den wertvollen Tipp bekam, mich bei der Sprachschule „Costa de Valencia“ in Valencia als Praktikantin zu bewerben. Ich kann schon vorwegnehmen, dass der Aufenthalt in der spanischen Küstenstadt  meine Erwartungen in jeglicher Hinsicht übertraf.

Einen Monat nach Schulende machte ich mich also auf zum Flughafen und ab in den Flieger Richtung Spanien. Wohnen sollte ich in einer WG mit anderen ausländischen Studenten und Sprachschülern – von Holländern über Kasachen bis hin zu Japanern! Von Beginn an also lebhaftes, internationales Flair, vornehm ausgedrückt eine Blüte kulturellen Austausches. ;-)

So vielfältig wie das WG-Leben gestaltete sich auch mein Praktikum selbst. In Sprachschulen wird nur unterrichtet? Könnte man meinen. In einer Stadt mit mehreren Sprachschulen dicht beieinander ist die Konkurrenz nicht zu unterschätzen. So bot die „Costa de Valencia“ außer den Sprachkursen auch Möglichkeiten zur Unterkunft für die Sprachschüler, Freizeitaktivitäten und Exkursionen, wodurch sich für mich etliche Möglichkeiten zur Mitarbeit ergaben:

 Stadtführungen für neu angekommene Schüler, Ausflüge in die Umgebung, Museumsbesichtigungen und Strandpartys organisieren. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Ausflug nach Buñol zur legendären „Tomatina“, einer Schlacht bei der man sich mit über dreißigtausend Spaniern und Nichtspaniern gegenseitig mit überreifen, zerquetschten Tomaten abschießt! Nicht weniger beeindruckend und auch von hinter den Absperrungen betrachtet reiner Nervenkitzel: „Bous al carrer“, auf Deutsch etwa „Stiertreiben durch die Straßen“ von Picassent. Gerade in solchen Momenten wird einem bewusst, „Jetzt bist du in Spanien!“.

Natürlich gehört zur Arbeit in einem Schulbetrieb auch Organisieren und Verwalten, Instandhalten und Aktualisieren der technischen Ausstattung, Öffentlichkeitsarbeit, z.B. über die Homepage im Internet, Kundenwerbung und –betreuung  – das alles auf Spanisch, gleich nochmal so reizvoll!

Ganz automatisch konnte ich meine Spanisch-Kenntnisse verbessern, die ich aus der Oberstufe mitgebracht hatte. Zugegeben waren die ersten Wochen mühevoll. Man musste sich an das spanische Sprechtempo gewöhnen und daher öfter nachfragen, hat auch Manches nach hartnäckigem Löchern nicht verstanden, und es dauerte eine ganze Weile, bis ich das Gefühl hatte, flüssig und ohne viel Nachdenken reden zu können. Auf der anderen Seite – und das war eine sehr schöne Erfahrung – habe ich bewusst wahrgenommen, wie gut ich mich nach nur zweieinhalb Jahren Schulspanisch verständigen konnte. Alles, was man im Unterricht irgendwann mal gemacht hatte, kam unverhofft in irgendeiner Situation zum Tragen. In Spanien profitiert man übrigens besonders davon, die Landessprache zu sprechen, da Englisch bei einem Großteil der Spanier völlig unpopulär ist ;-). Noch in Valencia fiel bei mir sogar der Entschluss, Spanisch zu studieren, was ich bislang nicht bereue. Bei der Bewerbung an der Uni konnte ich auf mein DELE-Zertifikat zurückgreifen, das ich noch vor dem Aufenthalt in Valencia erworben hatte und das mir langwierige Einstellungstest-Prozeduren ersparte.

Insgesamt konnte ich während dieses Sommers in Spanien so viele Erfahrungen machen, Leute und Kulturen erleben, dass ich die Zeit in Valencia definitiv nicht missen möchte!

Annika Lemke