Jahresbericht einer Sprachassistentin

Jahresbericht einer Sprachassistentin.

 

„Sickingen-Gymnasium Landstuhl“. Es kam mir Spanisch vor, als mir mein Ziel als Sprachassistentin mitgeteilt wurde. Damals wusste ich nicht, wie viele gute Erfahrungen mich in der Sickingen Stadt  erwarten würden. Ich erinnere mich noch an die Antwort, als ich nach dem Alter der Schüler fragte:
„ Sie sind keine Kinder mehr. Sie sind Schüler in der 11. 12. und 13 Klasse.“  Dann sind sie ja gerade ein paar Jahre jünger als ich, dachte ich und packte voller Aufregung  meinen Koffer, um mich auf dem Weg nach Deutschland zu machen.

Am ersten Abend erwartete mich ein leckeres Abendessen auf der Burg Nanstein mit Blick auf die Stadt -  ein sehr guter Einstieg.

Sich einzuleben war, dank der großen Geduld meiner Kollegen, nicht so schwer, auch wenn es viele kulturelle Unterschiede zwischen Spanien und Deutschland gibt, an die man sich erst gewöhnen muss:

Um 8 Uhr morgens fängt der Unterricht an. Daran erkennt man, dass man in Deutschland ist. Wenn die Deutschen schon eine Pause machen, fangen Spanier an, zu arbeiten. Als nächstes stellte ich überrascht fest, dass sich die zumeist freundlichen und höflichen Schüler am Sickingen-Gymnasium fast immer erst melden und dann reden- was für eine Disziplin! In Spanien ruft man ohne sich melden in die Klasse hinein.

Die deutschen Tafeln, die man klappen kann, hatte ich noch nie gesehen. Nach Geschmack kann man sie zudem nach oben und nach unten bewegen – faszinierend.

Da fast jede Unterrichtsstunde in einem anderen Raum stattfindet, es nur zwei kurze Pausen gibt und der Unterricht nur vormittags stattfindet, vergeht ein deutscher Schultag rasend schnell.

Noch ein Wort zur Organisation: Eine Unterrichtstunde fällt  aus, und du hast es nicht mitgekriegt? Es ist nur dein Fehler, denn du hast noch nicht gelernt, dass Zettel sehr beliebt sind in Deutschland. Egal um welche Mitteilung es sich handelt: einfach lesen. – Wie machen wir Spanier das nur ohne Zettel?

Ohne Fleiβ kein Preis. Dieses Sprichwort gibt es übrigens auch in Spanien. Die Landstuhler Abiturienten scheinen es jedoch besonders gut zu kennen: Nach den Prüfungen wird so richtig gefeiert – gleich mehrmals: Abiball, Abistreich sowie eine lustige „Mottowoche“ in der sich die Abiturienten jeden Tag verkleiden – das war alles neu für mich.

Vor lauter Faszination hätte ich beinahe vergessen, was meine eigentliche Mission war: Als Vertreterin eines Landes, sollte man nicht nur seine Muttersprache vermitteln, sondern auch andere kulturelle Aspekte. Kulinarische Köstlichkeiten wie: Churros con chocolate oder Gazpacho (eine kalte Tomantensuppe) kochten wir als Beispiele für typische spanische Gerichte. Erstaunlich und lustig waren für mich die Kommentare der Deutschen, beispielsweise „Spanier kochen immer mit viel Fett“. Ob die Deutschen meinen , dass Wurst und  Kuchen fettarm sind ?  ;-)

Noch eine Möglichkeit hatte ich, mich wie in Spanien zu fühlen, und zwar beim Flamencotanzen. Das ist ein typischer Tanz aus Andalusien, der erfolgreich durch eine  Gruppe begeisterter Schülerinnen getanzt wurde.

Da Ende meine Aufenthaltes steht bevor und ein Gedanke geht mir durch den Kopf:

Acht Monate in einen Koffer packen – wie soll ich das bloß machen?

Tausendmal Danke an alle, die mir geholfen haben, den Weg als Sprachassistentin zu gehen. Ein ganz besonderer Dank geht an Beate Rohnstock, die mich tatkräftig während meines ganzen Aufenthaltes unterstützt hat. Natürlich auch ein ganz grosses Dankeschön an alle Schülerinnen und Schüler der Spanischklassen.

                                                                                                         Rocío Gálvez Muñoz