Ethik

In Würde sterben - Leiterin des Hospiz Hildegard Jonghaus besucht Ethikkurs 9/10

 von Daniel Seger (9b)

 

Am 04.05.2017 hatte der Ethikkurs 9 /10 unter der Leitung von Herrn Preis die Möglichkeit, einen besonderen Einblick hinter die „Kulissen“ einer Einrichtung zu bekommen, welche Sterbende in ihrer letzten Lebensphase begleitet. Frau Mack, die Einrichtungsleiterin des Hospiz Hildegard Jonghaus in Landstuhl, besuchte die Schülerinnen und Schüler anlässlich des aktuellen Unterrichtsthemas „Die letzte Reise: In Würde sterben“.

Um möglichst informiert zu sein und ein ansprechendes Gespräch zu führen, bereitete man sich intensiv auf den Besuch vor. Die vorherige Unterrichtsreihe zu den Themen Tod, Trauer, Trost bildete die Basis für den weiteren Verlauf.

Zu Beginn der Doppelstunde hielt Frau Mack ein kurzes Referat, in welchem sie die Hospizbewegung im Allgemeinen, aber auch speziell das Hospiz in Landstuhl vorstellte. Anschließend bekamen die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Wissenslücken zu füllen und Fragen zu stellen. Zum Schluss drehte man den Spieß um und die Schülerinnen und Schüler wurden von Frau Mack und Herrn Preis zu persönlichen Meinungen, Feedbacks und möglichen beruflichen Perspektiven befragt. Hierauf teilte Frau Mack noch Materialien aus, die durch ihre Anschaulichkeit die genauere Vorstellung der Räumlichkeiten der Einrichtung erleichterte.

Im Nachhinein berichteten die Schülerinnen und Schüler von vielen neuen Erkenntnissen, gegliedert in drei wesentliche Schwerpunkte. Der erste Schwerpunkt lautete „Allgemeine Informationen zum Hospiz“. Hier erfuhren wir unter anderem, dass das Hospiz Hildegard Jonghaus seit der Eröffnung im Januar mit zahlreichen Anfragen zu tun habe, wobei immer nur eine begrenzte Anzahl an Gästen aufgenommen werden könne. Dies sei auch das größte Problem der Hospizbewegung. Deutschlandweit gibt es zwar über 200 Einrichtungen mit jeweils maximal 16 Plätzen. Da dies jedoch bei Weitem nicht den eigentlichen Bedarf decken kann, müssen tausende potentielle Gäste auf Wartelisten gesetzt werden. Eine Ursache, so Frau Mack, liege in der Finanzierung der Hospize. Immer wieder benutzte Frau Mack zur Überraschung aller den Begriff „Gäste“. Auf die Frage, warum man von „Gästen“ und nicht von „Bewohnern“ oder gar „Patienten“ rede, verwies Frau Mack auf die ursprüngliche Bedeutung des aus dem Lateinischen stammenden Wortes „Hospiz“. Jener könne mit Herberge übersetzt werden. Die Betroffenen würden demnach auf ihrer letzten Etappe des Lebensweges begleitet und versorgt.

Der zweite thematische Schwerpunkt weckte bei den Schülerinnen und Schülern das größte Interesse. Jener konzentrierte sich auf ganz praktische Angelegenheiten des Alltags in der Einrichtung. So dürfe zum Beispiel der Gast das eigene Zimmer zum Teil individuell einrichten, indem Bilder, Lampen oder Kleinmöbel mitgebracht werden können. Dadurch soll ein möglichst heimisches Ambiente geschaffen und eine Krankenhaus-Atmosphäre vermieden werden. Zudem gebe es viele Gäste, die in den so genannten Sozialraum gehen, um mit anderen Gästen Zeit zu verbringen. Andere Gäste zögen dagegen eher den Raum der Stille vor. Diesbezüglich betonte Frau Mack explizit, dass jeder Gast anders sei und ganz eigene Abneigungen, Vorlieben und Wünsche äußere. So möchte der eine lieber einen Hawaii-Toast zum Abendessen, der andere jedoch eine Bratwurst. Solange die Wünsche im Rahmen des Machbaren liegen, werden diese auch erfüllt. Dafür zuständig sei das Personal, welches zu einer Krankenpflegerausbildung eine zusätzliche Schulung in palliativmedizinischer Ausrichtung benötigt. So dürfen sie auch schmerzlindernde Medikamente verabreichen, um eines der obersten Ziele der Hospizbewegung zu erreichen: Sterben ohne Schmerzen. Bezüglich der Angestellten sprach Frau Mack allerdings von einer wichtigen Bedingung: Man sollte trotz aller Schicksale die professionelle Distanz nicht verlieren. Denn nicht alles, was im Hospiz geschieht, sollte mit nach Hause genommen werden. Im Hospiz sei im Gegensatz zum Krankenhaus die Tür von außen verschlossen, um Ruhe zu garantieren. Dabei dürften die Gäste jederzeit die Einrichtung verlassen, immerhin sei es keine „geschlossene Anstalt“, wie Frau Mack mehrfach betonte. Die Begleitung der Angehörigen spiele im Konzept der Hospizbewegung eine wichtige Rolle. Frau Mack möchte die Leute nicht an Besucherzeiten binden und ist allzeit bereit, mit den Angehörigen der Gäste über die für viele bedrückende Situation zu reden. Erfahrungsgemäß könne dies wahre Wunder bewirken. Dabei ende die Begleitung der Angehörigen nicht mit dem Tod des Gastes. Man habe 36 Stunden Zeit, sich im Zimmer des Verstorbenen von eben diesem zu verabschieden und sich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu wenden.

Der letzte Schwerpunkt betraf Frau Mack selbst. Sie ist seit nun mehr 20 Jahren im Bereich der Pflege aktiv, eine Arbeit, welche sie nach eigenen Aussagen als Leidenschaft und weniger als normalen Beruf betrachtet. Sie sei glücklich, dass das Feedback der Verbliebenen immer überwiegend positiv sei. Noch kein Angehöriger habe im Nachhinein die Entscheidung bereut, die jeweiligen Verwandten im Rahmen des Hospizes den letzten Lebensweg gehen zu lassen. Darin bestehe auch die Motivation für und das Erfolgserlebnis beim Arbeiten mit den Sterbenden. Frau Mack offenbarte zudem eine feste Meinung bezüglich des Themas Tod in unserer Gesellschaft: So sei er aktuell ein Tabuthema, sollte jedoch einen festen Platz in den Köpfen der Menschen bekommen. Vermeiden könne man den Tod ohnehin nicht.

Frau Mack konnte den Schülerinnen und Schülern eindringliche Eindrücke vermitteln, wobei so ziemlich jeder der Anwesenden ein neues Bild vom möglichen Umgang mit dem Sterben bekam. Die Variante, unheilbar kranke Menschen in einem Hospiz einen würdevollen und von Schmerzen befreiten Tod zu ermöglichen, ließ bei einigen Schülerinnen und Schülern die Einsicht erwachsen, im Fall der Fälle dort selbst die letzte Phase des Lebens zu verbringen. Andere wollen sogar ein Praktikum anstreben, um einen noch besseren Eindruck vom Hospiz zu bekommen. In einer Sache waren sich letztlich alle einig: Es soll ein gemeinsamer Besuch des Hospiz Hildegard Jonghaus in Landstuhl geplant werden.

Abschließend bedankt sich der Ethikkurs 9 /10 recht herzlich bei Frau Mack für ihren Besuch, der nicht nur sehr lehrreich für alle war, sondern auch keine Selbstverständlichkeit darstellt.     

Die DDR und ihre Absurdität

Ein Zeitzeugengespräch mit Jörg Rettig im Ethikunterrricht

von Maurice Dupont

 

Die Geschichte unseres eigenen Landes verfolgt uns Deutsche immer wieder. Manchmal sind es uninformierte, vorurteilbehaftete Bemerkungen von Menschen aus anderen Ländern, schwarzhumoristische Scherze oder Ähnliches, doch zuallererst wird sie ausführlichst in der Schule behandelt. Es wird besonders darauf Wert gelegt, den jungen Menschen die historischen Hintergründe Deutschlands im 20. Jahrhundert darzustellen.
Im Ethikunterricht von Achim Jung in der MSS 11 am Sickingen-Gymnasium wurde diesbezüglich die jugendliche Gesellschaft in der DDR und in der Nachwendezeit in den Vordergrund gestellt. Um diesem Thema einen für die Schüler interessen- und realitätsbezogenen Beigeschmack zu geben, wurde der Deutsch- und Geschichtslehrer Jörg Rettig, der in der DDR aufgewachsen ist, als Zeitzeuge in den Unterricht eingeladen, um uns von seinen Erlebnissen und seiner persönlichen Sichtweise auf die Politik, die Gesellschaft und die Mittel des Ostens vor der Wende zu berichten und um unsere an den vorher gelernten Stoff angelehnte Fragen zu beantworten.
Jörg Rettig war zum Zeitpunkt der Wende (1989) 28 Jahre alt und absolvierte währenddessen sein Studium, also verbrachte er sein bisheriges halbes Leben lang in der DDR. Schwerpunktmäßig handelten seine Erzählungen von der Erfahrung mit der Absurdität und Willkür des Systems. In seiner Schulzeit fühlte er sich nie unterdrückt. Es nahm alles so seinen Lauf, den man vor allem in diesem Alter schlichtweg nie hinterfragt. Bei Jugendlichen waren die Strukturen der FDJ nicht nur in der Organisation selbst, sondern auch im Schulwesen allgegenwärtig. Ein striktes System und ideologisierte Veranstaltungen prägten den Alltag. Beispielsweise wurden des Öfteren Altstoffsammlungen durchgeführt, deren Gewinne an Kinderheime oder von „Imperialisten“ unterdrückte Familien gespendet wurden. Außerdem wurden die Schülerinnen und Schüler dazu aufgefordert, Briefkontakte zu russischen Schülern zu pflegen, deren Notwendigkeit und Funktionalität weit von einer Idealvorstellung entfernt war. Im Hintergrund wurden Schülerinnen und Schüler aber immer manipuliert. Die Ideologie, ihren Geist schon früh in eine politische Richtung zu drängen, ohne dass ein Bewusstsein davon vorhanden war, wurde schon im Schulfach „Staatsbürgerkunde“ vorbereitet, in dem russische und marxistische Lieder gesungen wurden und Ähnliches.
Um die zweckpolitische Ausnutzung zu vertuschen, wurden die Jugendlichen durch Wettbewerbe und die Förderung von gegenseitiger Konkurrenz angespornt und abgelenkt, denn es wurden zum Beispiel denjenigen Schülerinnen und Schülern, die am meisten gespendet hatten, Preise verliehen. Es gab auch innerhalb der Klassen FDJ-ähnliche Institutionen, in denen die Schülerinnen und Schüler auch in leitende Ämter gewählt werden konnten. Allerdings wurde es eher als Strafe angesehen, wenn man denn gewählt wurde. Kamerad Rettig war im Zuge dessen mehrmals Leiter für Agitation und Propaganda und einmal auch FDJ-Sekretär. Als er aber mit auffällig steigender Häufigkeit teilweise den Inhalt von Westfernsehen mit Klassenkameraden geteilt hatte, wurde er in einer FDJ-Sitzung seines Amtes enthoben. Zwar fühlte er sich dadurch von dieser Pflicht befreit, doch war der Prozess, welcher quasi einer Gerichtsverhandlung glich, eine pure Bloßstellung seiner Person. Noch absurder wurde es, als er während seiner Zeit in der Armee drei Tage ins Gefängnis musste, weil er mehrmals dabei erwischt wurde, Westradio zu hören. Menschen, die auch nur im Geringsten etwas mit dem Westen zu tun hatten, wurden also in aller Willkür wie Kriminelle behandelt und teilweise auch als solche bezeichnet.
Erst später wurde das politische Bewusstsein Jörg Rettigs geweckt, auch wenn es nur unterschwellig war. Seine Familie wurde aufgrund politischer Aktivitäten seines Vaters in der Ost-CDU von der Stasi überwacht. Seine Nachbarn waren stets Informanten und selbst das Telefon wurde angezapft. Auch in seinem zuerst erlernten Beruf als Autoschlosser arbeitete er in einem von der Stasi kontrollierten Bereich, in dem hauptsächlich ausländische Autos repariert wurden. Irgendwann befragten ihn Polizisten, die ihm ein Foto zeigten, auf dem er angeblich nachts eine DDR-Fahne verbrannt haben sollte. Obwohl er sich auf dem Foto wiedererkannte, hat er so etwas nie getan. Da er in besagter Nacht aber wirklich nicht zu Hause war, gaben er und sein Vater ein falsches Alibi an, was ihn vor weiteren Unannehmlichkeiten bewahren konnte. Trotzdem war es so, als hätte man ihm etwas anhängen wollen, auch wenn Jörg Rettig bis heute nicht weiß, wie dieses Foto zustande kam.
Im Anschluss an diese Ereignisse näherte sich Jörg Rettig immer mehr der Kirche an und nahm Kontakt zu einer Gemeinde auf. Diese hatte vor, eine Antikriegsausstellung zu veranstalten, weswegen Jörg Rettig Bilder aus Berlin holen sollte. Bevor er die Bilder aber abgeben konnte, wurde er abgefangen, er sollte die Bilder vorerst verstecken oder wieder zurückbringen. Einige Mitglieder der Gemeinde wurden nämlich verhaftet. Doch wieso sollte eine Antikriegsausstellung vom Staat nicht toleriert werden, wenn doch genau das die Leitdevise allen Handelns war? Aber die staatliche Kontrolle fehlte. Das Vorhaben wurde nicht von der SED geleitet, also war es illegal.
Die Verordnungen in der DDR waren weitgehend undebattiert, also war jedem selbst überlassen, was er damit machte. Als GST-Mitglied (GST = die paramilitärische DDR-Jugendorganisation Gesellschaft für Sport und Technik) konnte man damals den Führerschein kostenlos machen, also ergriff Jörg Rettig diese Chance und schloss sich dieser Jugendorganisation an. Das zeigt recht deutlich, inwiefern ein kaputtes System die Menschen zum Opportunismus führte. Diese Art von Revolte kam auch bei seinem Rauswurf aus der GST zum Vorschein, als er die Frage „Ist das unsere Aufgabe?“ gestellt hatte, als es darum ging, bei einem Funktionär Renovierungen durchzuführen. Jegliches Hinterfragen von irgendetwas war in der DDR scheinbar strengstens verboten. Wer allerdings noch offener und mit mehr Überzeugung revoltierte, wurde im wahrsten Sinne des Wortes unschädlich gemacht. So verschwand ein solcher rebellischer, eigentlich ganz normaler Mann aus Jörg Rettigs Arbeitertheater, bei dem er als Schauspieler mitwirkte, eines Tages einfach und war wahrscheinlich im Gefängnis. Als er ihn über ein Jahr später wiedersah, hatte dieser sich seiner Ansicht nach extrem verändert. Auf einmal war er ein kleinlauter Geselle, der auch nicht über irgendwelche Geschehnisse im Gefängnis sprechen wollte.

Die meisten Menschen reagierten auf die politische Maßregelung und Unterdrückung, indem sie sich separierten und zurückzogen. Die Menschen entwickelten ein doppeltes Bewusstsein und trennten streng zwischen der Ideologie und dem eigenen Lebensbereich. Man sagte und tat, was von einem erwartet wurde, wenn es zum Beispiel darum ging zu einem feierlichen Anlass die Fahne aus dem Fenster zu hängen, aber das bedeutete nicht, dass man dadurch auch ein Verfechter der Staatsideologie war. Wer sich dagegen nicht anpasste, wurde von den Organen des Staates, insbesondere der Staatssicherheit (Stasi) überwacht und verfolgt.
Wie die politische Verfolgung war auch die politische Kontrolle Alltag in allen Lebenssituationen. Selbst im oben genannten Arbeitertheater wurden die meisten Stücke abgeändert und politisiert, wenn sie nicht den Vorstellungen der Stasi entsprachen. Es wurden sogar politische Figuren dazu erfunden, wenn man dem Stück keine politische Aussage entnehmen konnte.
Auch wenn die Wende schon fast 27 Jahre hinter uns liegt, ist es wichtig, das Wissen über die eigene Geschichte zu bewahren und stets weiterzugeben. Jörg Rettig als Zeitzeuge akzentuierte die Notwendigkeit des historischen Bewusstseins eines jeden Menschen, so dass man sich stets daran erinnern kann, wie es ist, in einem Staat zu leben, in dem die Freiheit und die Menschenrechte nicht geachtet werden. Erneut wird in den Erlebnissen dieses Mannes herausgestellt, wie ein falscher, willkürlicher politischer und wirtschaftlicher Leitfaden und die absurde Ideologie eines totalen Überwachungsstaates nicht nur Unzufriedenheit bei den Bürgern schafft, sondern den eigenen Staat bis in seinen Grundfesten erschüttert und selbst zerstört.

Unterrichtsprojekte

Warum Inklusion? - Sarah Rosenkranz zu Gast im Ethikunterricht: Den Artikel lesen Sie hier.

Glücks-Projekt während der Projektwoche: Den Artikel zum Projekt finden Sie hier.

Fachschaft Ethik

Frau DeKuiper

Herr Jung

Herr Lenhard

 

Frau Foerster (StRef')

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Unterrichtsbegleitende Seiten von Herrn Achim Jung: http://www.philosophie-sgl.de

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Ethik

Die Menschheit hat allen Grund dazu, die Verkünder hoher moralischer Normen und Werte höher zu stellen als die Entdecker objektiver Wahrheit. Was die Menschheit Persönlichkeiten wie Buddha, Moses und Jesus verdankt, steht mir höher als alle Leistungen des forschenden und konstruktiven Geistes.
Die Gaben dieser Begnadeten müssen wir hüten und mit all unseren Kräften lebendig zu erhalten suchen, wenn das Menschengeschlecht nicht seine Würde, die Sicherheit seiner Existenz und die Freude am Dasein verlieren soll.

(Albert Einstein)


Am Ende seines Lebens sollte man wissen, wer und was man ist und danach gelebt haben. Man sollte dann denken, dieser Mensch mit diesen Eigenschaften und diesem Sinn auf der Welt, das bin ich. Man sollte nicht stolz darauf sein, ein Leben lang bloß funktioniert und sich so verhalten zu haben, wie andere es wollten.

(Carola Hog, MSS 12)

 


Die Lehrpläne für das Fach Ethik in der Sekundarstufe I und II die finden Sie hier.

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