Workshops beim Berufsinfomationstag 2017 am SGL

von Achim Jung

 

Am Berufsinformationstag am SGL führten 32 Experten aus verschiedenen Berufsfeldern Workshops zu den Tätigkeitsbereichen in ihrem Berufsfeld vor. Exemplarisch werden im Folgenden zwölf der Workshops vorgestellt.

 

Paul Zeller, Apotheker in Landstuhl, gab einen Überblick über den mindestens 5-jähren Ausbildungsweg eines Apothekers bis hin zur Approbation. Anhand einiger Beispiele erläuterte er die Herstellung und die Wirkungen von Medikamenten, wobei deutlich wurde, dass Arzneistoffe in einer jeweils anderen Dosierung und Kombination sowohl als Medikamente oder aber als Gift wirken können. Es wurden außerdem die verschiedenen Berufsperspektiven für ausgebildete Apotheker präsentiert.

 

 

Der Architekt Alexander Blanz stellte anschaulich verschiedene Aspekte seines Berufsalltags vor. Es gehe nicht alleine darum, Baupläne lesen und erstellen zu können. Als Architekt arbeite man mit ganz verschiedenen Fachleuten vom Handwerker bis zum Behördenvertreter zusammen. Bei der Planung eines Hauses käme der korrekten Umsetzung von Vorschriften eine ebenso große Bedeutung zu wie der ästhetischen Gestaltung. Bei der Planung müssten außerdem auch städtebauliche Aspekte beachtet werden, um das Gebäude in die Umgebung einzugliedern. Architekten müssten genauso gut mit der Hand zeichnen können wie sie in der Lage sein müssen, mit dem Computer 3-D-Modelle des geplanten Gebäudes zu erstellen. Am Beispiel des Tourismusbüros in Landstuhl zeigte er die Planung eines Objekts von der Handskizze bis zum fertigen Gebäude.

 

Frau Hauer, die an einer Schwerpunktgrundschule, als Förderschullehrerin in mehreren Klassen tätig ist, erzählte aus ihrem Berufsalltag und erläuterte, welche besondere Kompetenzen in pädagogischen Berufen notwendig sind. Sehr viel Flexibilität sei Voraussetzung, aber auch Team- und Anpassungsfähigkeit. Sie habe einen immer unterschiedlichen und abwechslungsreichen Arbeitsalltag. Der Unterricht sei nicht immer planbar und müsse auf die Bedürfnisse der einzelnen Schülerinnen und Schüler abgestimmt werden. Daher habe die Diagnose des Lernstands und die individuelle Festlegung des Förderbedarfs eine große Bedeutung, wobei die Erstellung von Förderplänen besonders zeitintensiv sei. Die Durchführung eines differenzierten Unterrichts, der den Bedürfnissen der einzelnen Schülerinnen und Schülern gerecht werde, stelle hohe Anforderungen an die Lehrkraft.

 

Tanja Hermann vom Pfalztheater stellte die Theaterberufe vor. Zwar sei am Theater eine Karriere auch durch Talent möglich aber dies sei die große Ausnahme. Eine Ausbildung sei allgemein auch dann unabdingbar, wenn man über viel Talent verfüge. Sie gab einen Überblick über die Berufe, die es am Theater gibt, vom Schneider, Maskenbildner Dramaturgen bis hin zum Schauspieler und sie wies auf Möglichkeiten für Jugendliche hin, mit dem Theater in Kontakt zu kommen. So könne etwa ein Freiwilliges Soziales Jahr am Theater abgeleistet werden. Auch gebe es das Junge Theater, das Jugendlichen die Möglichkeit gibt, am Pfalztheater ein Theaterprojekt zu erarbeiten und auf der Werkstattbühne zur Aufführung zu bringen.

 

Der Pilot Rainer Agne sitzt seit 27 Jahren bei der Lufthansa im Cockpit und fliegt zurzeit eine Airbus A350, das weltweit aktuell modernste Flugzeug. Ursprünglich habe er eine Ausbildung zum Maschinenbauingenieur gemacht und habe 5 Jahre in der Industrie gearbeitet, jedoch fliege er schon seit seinem 16. Lebensjahr. Zur Lufthansa kam er als Seiteneinsteiger. Voraussetzung, um Pilot zu werden, sei das Bestehen eines Eignungstests und eines medizinischen Tests, wodurch ein Flugtauglichkeitszeugnis Klasse 1 beglaubigt werden müsse. Jedes Jahr müsse sich ein Pilot einer medizinischen Untersuchung unterziehen, ab dem 60. Lebensjahr sogar alle 6 Monate. Die Ausbildung müsse teilweise privat finanziert werden. Der Frauenanteil bei der Lufthansa werde immer größer, so dass anders als früher heute auch Mädchen die Chance haben, den Berufswunsch Pilot zu realisieren. Beeindruckend war die Vorführung eines von Rainer Agne gedrehten Films, mit er aus seiner Pilotenperspektive den Anflug bei Nacht auf den Flughafen von Riad zeigte.

 

Der Diplomphysiker Dr. Andreas Merz stellte die Ausbildung und die Berufsaussichten von Physikern vor. Das Studium sei nicht einfach, aber mit einer guten Note in Mathematik brauche man sich keine großen Sorgen zu machen, den Abschluss nicht zu erreichen. Es sei zwar am Anfang anstrengend, aber mit der Zeit entwickele man auch eigene Forschungsinteressen, die dann auch dazu motivieren könnten, wie er eine Doktorarbeit zu schreiben. Wer Physiker werde, könne an der Universität wissenschaftlich tätig sein, Lehrer werden oder in die Wirtschaft bzw. Industrie gehen. Das Studium für das Lehramt umfasse zum Teil die gleichen Lehrveranstaltungen wie für das reine Physikstudium. Teilweise seien die Veranstaltungen für beide Studienrichtungen auch in englischer Sprache. Insgesamt sei das Studium auch sonst weitgehend auf Englisch, was die Bücher angeht, aber auch in Hinsicht auf die Präsentation von Ergebnissen.

Er selbst habe sich für eine Karriere als Ingenieur in der Wirtschaft entschieden, wobei er zunächst für ein Ingenieurbüro gearbeitet habe. Hier habe er vor allem Gutachten im Rahmen von Genehmigungsverfahren erstellt. Zum Beispiel habe er Gewerbelärm gemessen oder die Schallemissionen, die bei Triebwerksprobeläufen auf dem Flugplatz Ramstein entstehen, im Computer als digitales Geländemodell simuliert.

 

Dr. Katharina Scheu, die inzwischen als Lehrerin die Fächer Biologie und Erdkunde am SGL unterrichtet, war nach dem Studium einige Jahre in der biologischen Forschung tätig. Sie schrieb eine Doktorarbeit, in der sie die Sehfähigkeit von Goldfischen erforschte. Darin ging es darum, wie die Fische UV-Licht und die Spektralfarben wahrnehmen können. Der Goldfisch nehme Farben, etwa Rot, anders wahr als der Mensch und nehme mehr Abstufungen von Weiß wahr. Wichtig seien diese Forschungen zum Beispiel in Hinsicht auf die Untersuchung der Wirkungen von Pharmaka aufs Auge, um daraus Schlüsse für die Entwicklung von Medikamenten für den Menschen ziehen zu können.

Als Biologe könne man auch Zoologe werden, aber es gebe wenig Hoffnung auf einen Job, da es sehr viele Bewerberinnen und Bewerber gebe.

 

Frau Schuck, eine Kinder- und Jugendpsychologin, stellte das Berufsfeld und die Ausbildung eines Psychologen vor. Der Beruf des Psychologen bzw. der Psychologin stelle hohe Anforderungen. Man müsse eine starke Persönlichkeit sein, da es viele Fälle gebe, die betroffen machten. Man mache viele Erfahrungen von Ohnmacht, da man am Umfeld der Kranken nichts ändern könne. Es sei sehr wichtig, einen Ausgleich zum Beruf zu haben, etwa durch Hobbys. Anhand einiger konkreter Fallbeispiele aus ihrer Praxis stellte die Psychologin die Anforderungen ihres Berufs im Detail dar.

 

Der Mediziner Dr. Thun aus Landstuhl präsentierte die Ausbildung und die Berufspraxis eines Arztes der Allgemeinmedizin. Der Beruf sei sehr vielseitig und sei mit viel Verantwortung verbunden. Aber die niedergelassene Praxis sei sehr effizient in der ambulanten Behandlung, da hier alle Informationen über einen Patienten konzentriert seien. Der Arzt könne aufgrund dieser gebündelten Daten die jeweils beste Therapie für die Patienten vorschlagen. Das Einkommen eines Arztes sei angemessen, aber angesichts der Kosten, die mit dem Betrieb einer Praxis verbunden seien, doch niedriger als man gemeinhin denke.

 

Herr Dr. Hirth, Leiter der Forschung und Entwicklung bei der Robot Makers GmbH in Kaiserslautern erläuterte, wie Roboter funktionieren. Als Informatiker komme er mit vielen anderen Bereichen in Berührung, je nachdem, wofür er eine Anwendung programmieren solle. Am Beispiel einer „Testplattform“, einem humanoiden Roboter, der an der TU Kaiserslautern gebaut worden ist, und bei deren Entwicklung Maschinenbauer, Elektrotechniker und Informatiker zusammengearbeitet haben, stellte er die Entwicklung einer kognitiven Steuerarchitektur vor. Durch diese können die Tätigkeitsabläufe und Reaktionen des Roboters gesteuert werden. Die Entwicklung der Steuerung erforderte auch eine Kooperation mit Biologen und Psychologen, um menschliches Verhalten besser simulieren zu können.

Der Berufsalltag eines Informatikers in der Industrie, wie zum Beispiel bei der Firma Robot Makers, sei bestimmt durch Teamarbeit und Meetings, in denen Wochenziele festgelegt und besprochen werden. Die Entwicklung eines Programms erfordere eine „funktionale Dekomposition“, der angestrebten Abläufe, die das Programm steuern soll. Die so definierten Aufgaben würden dann auf die verschiedenen Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fachbereiche verteilt. Die Arbeitszeit sei durch „Gleitzeit“ organisiert, die es ermöglicht, dass auch Entwicklungsprozesse, die länger dauern, abends beendet werden können und nicht zu einer bestimmten festgelegten Uhrzeit abgebrochen werden müssen.

 

Frau Lukas von der Bundeswehr stellte die Ausbildungs- und Karriereangebote bei den Streitkräften vor. Sie machte deutlich, dass sich die Aufgaben der Bundeswehr gewandelt hätten und dass zunehmend auch mit Auslandseinsätze in bewaffneten Konflikten zu rechnen sei. Der Frauenanteil bei der Bundeswehr sei immer noch gering, zurzeit läge er bei etwa 11%, weshalb man besonders Frauen ermutigen wolle, zur Truppe zu gehen. Einstellungsvoraussetzungen seien vor allem eine ausgezeichnete physische Fitness und das Bestehen der Beamtentauglichkeitsprüfung. Dafür locke ein Arbeitsvertrag auf Lebenszeit und eine gesicherte Altersversorgung.

 

Der Chemiker Prof. Dr. Thiel von der TU Kaiserslautern stellte die Ausbildung und die Berufspraxis eines Chemikers vor. Gute Aussichten auf Einstellung hat der Chemiker nicht nur in der Industrie und Wirtschaft, sondern auch im Schuldienst. Man sollte aber nicht Lehramt studieren in der Meinung, dass dies leichter sei als das reguläre Chemiestudium. Dies sei ein Irrtum, da man für das Lehramtsstudium neben der Chemie noch ein weiteres Fach studieren müsse und noch zusätzlich Erziehungswissenschaften. Das Lehramtsstudium bestehe nur, wer sein Leben sehr gut im Griff habe und sehr diszipliniert sei.

Berufsperspektiven als Chemiker gäbe es ansonsten nicht nur in der Forschung an der Universität und in der Privatwirtschaft. Es gäbe noch viele andere Tätigkeitsbereiche, z.B. bei Versicherungen oder etwa als Patentanwalt.

 

Fotos: Alexander Baqué (10a)