Das Logo des Sickingen-Gymnasiums. Dunkelblaues Quadrat mit weißem Schriftzug des Schulnamens in der linken oberen Ecke. Silhouette der Burg Nanstein im Anschnitt unten rechts.

Vom Lehrerzimmer ins Kollegium der Legenden

Elisabeth Becker und Rainer Klees prägen das SGL weit über den Ruhestand hinaus — 30.07.2025

von Achim Jung

Wieder verlassen zum Schuljahresende eine Kollegin und ein Kollege als verdiente Pensionäre das SGL. Nun gehören sie nicht mehr zum Lehrerkollegium und verschwinden damit aus der Lehrerliste auf dieser Homepage. Jedoch gehören sie nun einem anderen, viel größeren Kollegium, demjenigen der ehemaligen Lehrkräfte des Sickingen-Gymnasiums an. Nichts symbolisiert und repräsentiert unsere Schule im Bewusstsein ehemaliger Schülerinnen und Schüler mehr als diese ideale Gemeinschaft ehemaliger Lehrerinnen und Lehrer des SGL. Zu dieser illustren virtuellen Tafelrunde von Lehrerpersönlichkeiten gehören nun auch Rainer Klees und Elisabeth Becker. Beide haben viele lange Dienstjahre am Sickingen-Gymnasium gelebt und gewirkt. Rainer Klees mit den Fächern Mathematik und Chemie 34 Jahre und Elisabeth Becker mit Englisch und Biologie 19 Jahre lang. Dabei waren sie für viele Schülerinnen und Schüler gleichermaßen charismatische Lehrpersonen, die fähig waren, ihnen die Pforten zu den Wundern und Wissensschätzen ihrer Lieblingsfächer zu öffnen. Für andere bleiben sie rätselhafte und undurchschaubare Hüter dieser Pforten, die ihnen trotz aller pädagogischen Bemühungen doch verschlossen blieben. Dabei werden diese lobenswerten, wenn auch vergeblichen Anstrengungen ebenfalls im Gedächtnis der Schülerinnen und Schüler eine besonders bleibende Spur hinterlassen. Beide Pensionäre sind außergewöhnliche Lehrerpersönlichkeiten mit einem jeweils ausgeprägten Charakter, die ihre ihnen am Herzen liegenden Fächer mit großer Begeisterung und Verve vertreten haben und die sich immer mit dem SGL in besonderer Weise verbunden fühlen.
Die Reden anlässlich der Feierstunde zur Verabschiedung der beiden Kollegen hoben denn auch dieses besondere Engagement hervor, das beide Kollegen für ihre Fächer an den Tag legten, ebenso wir ihre innige Verbundenheit mit der Schule, der Schulgemeinschaft und dem Kollegium.

Der Schulleiter Philipp Wehmann unterstrich, dass der Abschied der beiden Ruheständler doch „mehr traurig als erfreulich“ sei. Sowohl ihre Arbeit als auch ihr Mitwirken in der Schulgemeinschaft werden vermisst werden. Daher bot er ihnen ohne Zögern an, auch im Ruhestand weiter als PES-Kräfte an der Schule zu wirken und zu unterrichten. Es bleibt abzuwarten, ob die beiden dieses freundliche Angebot nächstes Schuljahr tatsächlich annehmen werden. Philipp Wehmann brachte dann seine Zuversicht zum Ausdruck, dass beide schließlich nach „einer Phase des Loslassens“, neue Betätigungsfelder finden werden, etwa beim Hüten von Enkeln oder mit lange vernachlässigten Hobbys. Der Schulleiter wies am Ende seiner Rede auf das Positive des Ruhestands hin, das das Traurige überwiege: „Blenden Sie dazu noch das Positive, das jedem Abschied innewohnt, mit ein, das Neue, das nun auf Sie zukommt, die anderen Schwerpunkte, die Sie nun setzen können!“

Der zweite Stellvertretende Schulleiter Thomas Neukirch würdigte in seiner teilweise auf Saarländisch gehaltenen Rede für Rainer Klees dessen 34 Dienstjahre am Sickingen-Gymnasium. Rainer Klees sei immer kollegial gewesen, ein kulturell interessierter lebensfroher Lehrer, der Generationen von Schülerinnen und Schülern geprägt hat, oft auch mit humorvollen Geschichten, die er immer parat hat. Seine Fächer Mathematik und Chemie unterrichtete er mit großer Begeisterung und er engagierte sich auch beim Theater, bei Klassenfahrten und bei der Teilnahme an Wettbewerben. Legendär ist eine Chemiestunde, während der ein Versuch, der eigentlich niemals schiefgeht, mit einer Explosion endete, die Rainer Klees zwar einigermaßen unverletzt, aber arg zerzaust überstanden hatte. Seine saarländische Gelassenheit und seine Lebensfreude wird allen im Kollegium und in der Schülerschaft fehlen. Thomas Neukirch schloss die Rede mit den besten Wünschen: „Im Namen der Schulgemeinschaft und besonders der Schulleitung wünsche ich dir, lieber Rainer, das Allerbeste für deinen Ruhestand – vor allem Gesundheit und Energie für die Dinge, die du dir vorgenommen hast und vornehmen wirst. Wir werden dich vermissen.“
In seiner Rede zur Verabschiedung von Elisabeth Becker würdigte Thomas Neukirch ihren großen Einsatz und die Begeisterung, mit der sie 19 Jahre lang am SGL ihre Fächer Biologie und Englisch vertreten hat. Mit Herz und Humor hat sie Generationen und Schülerinnen und Schüler für die Wissenschaft vom Lebendigen und vor allem für den Gegenstand ihrer größten Leidenschaft, für Großbritannien, begeistert, so dass diese oft auch noch nach ihrem Abitur mit ihr in Kontakt blieben. Mit ihren anschaulichen Experimenten und zusammen mit den Schülerinnen und Schülern aus ihren AGs, prägte sie zahlreiche Infotage, etwa mit der Aquarien-AG und dem English-Conversation-Club. Thomas Neukirch beschloss seine Rede wie folgt: „Im Namen der Schulgemeinschaft und der Schulleitung, für die ich heute sprechen darf, wünsche ich dir alles Gute für deinen Ruhestand, vor allem Gesundheit und Lebensfreude. Fachlich wünsche ich dir weiter Begeisterung für die Wunder der Natur, die du als Biologin so sehr liebst. Und darüber hinaus weiter Freude an der English-speaking world, might it be literature, might it be current affairs, might it be a cup of tea or some fish and chips in England, Scotland or Wales. Elizabeth, all the best!“

Als Vertreter des Personalrats begann Björn Freudenberg seine Rede mit einem Lob des Lebens, das nun für die beiden Pensionäre erst richtig anfange und losgehe. Allerdings gebe es auch gewichtige Gründe dafür, am SGL zu bleiben. Dies sei im Fall von Rainer Klees der Stuhl im Kaffeezimmer, den dieser über die Jahre immer mit geradezu olympischer Ruhe besetzt habe, wodurch das Bild des auf dem Stuhl thronenden Kollegen geradezu mit mythischer Bedeutung aufgeladen worden sei. Auf diesem Stuhl verkündete der Kollege sehr tiefe Weisheiten aus dem Erfahrungsschatz seiner langen Dienstzeit, wie zum Beispiel: „Eine gute Stunde braucht keine 45 Minuten!“ Für seine Weisheit habe Rainer Klees auch in der Schülerschaft viele Bewunderer gefunden, die nach seinem Vorbild mit Bart und Taschenrechner durch die Schule wandelten. Auch in Hinsicht auf die Digitalisierung habe er auf seinem Stuhl Position bezogen. Wenn es um den Einsatz von Tablets, Smartboards und dem digitalen Klassenbuch ging, brachte er seinen Standpunkt auf eine klare Formulierung: „Im Unterricht muss es stauben!“
In Wallhalben habe Rainer Klees dann noch einen anderen Stuhl besetzt, was dem Mythos des Stuhls in Landstuhl einigen Abbruch getan habe. Aber auch von dort aus habe er seine philosophische Basisarbeit weiterbetrieben und vor allem den schleppend vorangehenden Fortschritt der Generalsanierung in Landstuhl kritisch begleitet.
Rainer Klees sei nun einmal der unverzichtbare „Alte vom Berg“ des SGL und müsse für immer an der Schule bleiben. Daher plädierte Björn Freudenberg an den frischgebackenen Pensionär, bei der ADD einen Antrag auf Rücknahme der Versetzung in den Ruhestand zu stellen und wünschte ihm schließlich alles Gute bis zu seiner erhofften Rückkehr ans Gymnasium in sechs Wochen.

Im Fokus von Björn Freudenbergs zweiter Rede zur Verabschiedung von Elisabeth Becker stand die Zahl „12“. Tatsächlich fällt deren Geburtstag genau zwölf Tage nach dem Stichtag des Bildungsministerium für die aktuell geltende Ruhestandsregelung: „Für Lehrkräfte gilt als Altersgrenze das Ende des Schuljahres, das dem Schuljahr vorangeht, in dem sie das 65. Lebensjahr vollenden.“ Elisabeth Becker war also aufgrund dieses ärgerlichen kalendarischen Sachverhalts gezwungen, ein Jahr länger zu arbeiten, wodurch sie allerdings dem Staat auch einiges an Geld gespart hat. In seiner Rede sprach Björn Freudenberg sehr ausführlich und humorvoll alle Besonderheiten und Eigenschaften an, die über die verspätete Geburt hinaus Elisabeth Becker auszeichnen: eine Liebe für die britische Insel, die englische Kultur und deren Humor, eine Begeisterung für englische Musik, eine Faszination für das britische Königshaus, eine Leidenschaft für Krimis und Schauspielkunst, besondere Weihnachtsbräuche, Lust am Wandern, Radfahren, Gartenarbeit und Natur, Zeit mit ihrem Kater und Haustieren zu verbringen, sowie eine Dankbarkeit und Ermutigung für ihre Leistungen in der Schule und ihre Blumenpflege im Schulhaus, wo sie viele Pflanzen nicht nur vor dem sicheren Tod gerettet hat, sondern ihnen im Gegenteil noch ein üppiges florales Dasein ermöglichte. Zum Abschluss seiner Rede bedankte er sich bei Elisabeth Becker mit den folgenden Worten: „Wir wollen Dir für alles danken, was du für die Schule, was du für uns getan hast. Und weil du deinen Garten liebst und dich immer um die Blumen im Schulhaus gekümmert hast, hoffen wir dich mit unserem Geschenk (einer Gießkanne) daran zu erinnern und dich auch gleichzeitig zu ermutigen. Komm ruhig wieder, vergiss uns nicht und schau dir von Zeit zu Zeit mal die Blumen an.“
Der Vorsitzende des Fachbereichs Biologie, Christian Rippel, unterstrich, wie sehr Elisabeth Becker unsere Schule in den 19 Jahren ihrer Tätigkeit am Gymnasium mitgeprägt habe. In besonderer Erinnerung blieben die von ihr und den Schülerinnen und Schülern ihrer AGs betreuten Tiere. In guter Erinnerung sei die „Staby-AG“, wo es um Stabheuschrecken ging, die lang in einem Terrarium in der Biologie-Sammlung gelebt haben, sowie die Aquarien-AG.
Trotz gesundheitlicher Herausforderungen, habe sie sich nie zurückgenommen. Sie habe vieles mitgestaltet und sei immer bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen. Mit ihrem Faible für England und ihrer Begeisterung für die Pflanzenwelt bleibe ihr auch zukünftig viel zu tun, so dass nun sicher Reiseprojekte nach England und Pflanzenprojekte in ihrem Garten im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten stehen werden. Nach der eindringlichen Feststellung, dass sie uns allen fehlen werde, schloss Christian Rippel seine Rede mit dem Wunsch, dass ihr neuer Lebensabschnitt genauso erfüllend sein möge wie ihre Zeit am Sickingen-Gymnasium.